Wirtschaft : Wiener Schwammerl

Christine Lemke-Matwey

Was die Welt über Franz Schubert weiß, das „Schwammerl“ vom Wiener Himmelpfortgrund? Dass er Genussmitteln aller Arten von Herzen zugetan war und die Liebe nicht fand. Dass seine Mutter früh starb und der Vater ihn bis in schlimme „Träume“ hinein verfolgte. Dass er viele hundert Lieder komponierte, an den größeren Formen – Symphonie, Oper – jedoch scheiterte. Und dass er 1828, kaum 31-jährig, als Syphilitiker zugrunde ging. Dies alles schreibt jetzt auch Veronika Beci noch einmal auf. Auf der Suche nach Schuberts politischer Gesinnung, hält sie die „bleierne Zeit“ der Metternich-Ära gegen die Verlockungen des Vormärz, den Romantiker gegen den emanzipierten Bürger. Ob Beci wirklich fündig wird, indem sie jeweils einen prominenten Schubertianer ins Zentrum ihrer zwölf Kapitel rückt, das darf man allerdings bezweifeln. Zu großmaschig weben sich ihre musikalischen Analysen ins allgemeine Welt- und Kunstgeschehen. Eine Schubert-Biografie, der raschen Lesbarkeit geschuldet und dem 175. Todestag des Komponisten am 19. November.

Veronika Beci: Franz Schubert. Fremd bin ich eingezogen. Biografie. Artemis&Winkler, Düsseldorf. 300 Seiten, 26 €.

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