Wirtschaft : Wiesheu geht zur Bahn

Bayerischer Minister wechselt in die Wirtschaft/Konzern steigert Umsatz und kauft US-Logistiker Bax

Bernd Hops,Dagmar Rosenfeld

Berlin - Die Deutsche Bahn AG hat Umsatz und Gewinn in diesem Jahr deutlich steigern können. Wie Vorstandschef Hartmut Mehdorn am Samstag in Essen seinen Aufsichtsräten berichtete, ist der Konzernumsatz gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum bis Ende September um 752 Millionen Euro auf 18,5 Milliarden Euro gestiegen. Damit werde das für 2005 geplante betriebliche Ergebnis nach Zinsen in Höhe von rund 400 Millionen Euro voraussichtlich erreicht. Das wären rund 150 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. „Das Unternehmen ist voll auf Kurs, wir werden unsere Planung einhalten“, sagte Mehdorn. Zu der positiven Ergebnisentwicklung trügen vor allem der Personenverkehr und der Logistik-Spezialist Schenker bei.

Aber auch sonst hatte der Aufsichtsrat in Essen einiges zu besprechen: Zum Januar 2006 bekommt die Bahn AG ein neues Vorstandsmitglied, den bayerischen Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU). Er folgt Klaus Dauberthäuser und wird für die Bereiche Marketing sowie politische Beziehungen zuständig sein. „Ich freue mich darauf, nach mehr als 30 Jahren in der Politik meine Erfahrung in der Wirtschaft einsetzen zu können“, sagte Wiesheu. Und dann stimmten die Aufsichtsräte am Samstag auch noch der Übernahme des US-Unternehmens Bax zu, mit der die Bahn ihr internationales Logistikgeschäft weiter ausbauen will. Bereits kommenden Dienstag will der Konzern den Kauf perfekt machen. Fast eine Milliarde Euro gibt die Bahn für den Logistiker Bax Global aus, der mit weltweit 12000 Beschäftigten und 500 Niederlassungen vor allem im Luft- und Seeverkehr tätig ist. Ein Teil des Geldes soll durch den Verkauf der Werbetochter DERG an die Ströer Out-of-Home Media aufgebracht werden. Laut Branchenkreisen hat Ströer rund 100 Millionen Euro geboten, einschließlich weiterer Zahlungen für Dienstleistungen erhalte die Bahn 135 Millionen Euro.

Verkehrspolitiker hatten den Bax-Kauf bereits im Vorfeld scharf kritisiert und gefordert, die Bahn solle stärker in Deutschland und den Erhalt des Schienennetzes investieren. Allerdings hat sich der Konzern in Bezug auf die deutschen Standortbedingungen flexibel gezeigt: Die Bahn hat schnell darauf reagiert, dass die Bundesmittel für das Schienennetz verbessert worden sind, und ihre Personalkürzungspläne abgemildert (siehe Kasten).

Dennoch dürfte die Bax-Übernahme für die Bahn nicht einfach werden: Der Konzern hat kaum noch Spielraum für neue Verbindlichkeiten. Frisches Kapital wird aus dem geplanten Börsengang erhofft. Doch der dürfte frühestens im Jahr 2007 erfolgen – und wird weiterhin kontrovers vom Bund, der bisher 100 Prozent an der Bahn hält, diskutiert. Es ist vor allem unklar, ob auch das Schienennetz mit an die Börse gebracht wird. Von dieser Entscheidung hängt jedoch auch ab, mit welchem Erlös die Bahn durch den Gang aufs Parkett rechnen kann. Bis dahin wird es so sein, dass zwischen allen Konzernteilen ein scharfer Wettbewerb um die knappen Investitionsmittel herrscht.

Nun ist aber der weltweite Logistikmarkt in Bewegung. Der internationale Handel wächst durch die fortschreitende Globalisierung – und die Güter müssen transportiert werden. Mit dem Kauf des Logistikkonzerns Stinnes inklusive der internationalen Spedition Schenker vor drei Jahren war die Bahn unter die größten Anbieter vorgestoßen. Zurückhaltung bei Investitionen in die Logistik könnte die Bahn ihre starke Stellung in diesem Bereich kosten – zumal die Deutsche Post durch die Übernahme des britischen Logistikers Exel mit der Bahn im europäischen Landverkehr gleichgezogen ist – hier war Schenker bisher die unangefochtene Nummer eins.

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