Wirtschaft : Wim Duisenberg beruhigt die Bürger: Die Währung ist stabil

EZB-Präsident Wim Duisenberg hat angesichts der Euro-Schwäche den Bürgern in der Euro-Zone versichert, dass der Euro eine stabile Währung bleiben wird. In einer am Freitag überraschend veröffentlichten Mitteilung erklärte Duisenberg, er verstehe die Sorgen der Bürger über den Euro-Kurs, da ein dauernd schwächerer Euro letztlich zu höheren Preisen bei Konsumgütern führen könnte. Deshalb werde die Europäische Zentralbank (EZB) den Euro-Kurs sehr genau beobachten und weiter alles tun, um die Preisstabilität zu gewährleisten.

Der Euro reagierte kaum auf diese Aussagen und notierte am Mittag mit 0,8974 über seinem vorläufigen Tagestief von 0,8903 Dollar. Analysten erklärten, die Mitteilung verdeutliche die Nervosität der EZB und werde dem Euro kaum helfen. Erst am Donnerstag hatte der Euro ein Allzeit-Tief zum Dollar von 0,8844 Dollar markiert und damit rund 24 Prozent seit seiner Einführung Anfang 1999 eingebüßt. Die EZB legte den Referenzkurs dann zum Freitag mit 0,8984 Dollar fest, nach 0,8947 Dollar am Vortag.

Die Bürger sollten angesichts der stabilen Preise in der Euro-Zone beruhigt sein, erklärte Duisenberg weiter. Wegen der inneren Stabilität des Euro könnten sie sicher sein, dass ihre Spareinlagen und die Renten auf lange Sicht ihren Wert behalten werden, heißt es in der Mitteilung weiter. Um die Risiken für die Preisstabilität einzudämmen, habe die EZB in den vergangenen sechs Monaten die Leitzinsen bereits vier Mal angehoben und werde weiterhin alles für den Erhalt der Preisstabilität tun. So werde die EZB dazu beitragen, dass aus dem gegenwärtigen wirtschaftlichen Aufschwung eine lange Wachstumsphase mit sinkender Arbeitslosigkeit werde. Basierend auf stabilen Preisen und der wirtschaftlichen Stärke der Euro-Zone, werde der Euro in Zukunft eine starke Währung sein. Analysten zeigten sich skeptisch, ob Duisenberg so die Talfahrt des Euro stoppen kann. Hans-Jürgen Meltzer von der Deutschen Bank Research nannte die Aussagen Duisenbergs eine Art "Seelenmassage". Er bezweifelte, ob der Euro so wieder an Boden gewinnen werde. "Das zeigt die Nervosität der Europäische Zentralbank, denn der Euro fällt und fällt. Man kann nicht erwarten, dass sich der Euro dadurch stabilisiert." Zwar habe Duisenberg mit seinen Aussagen recht, doch das reiche nicht.

Die EZB scheine sich noch nicht einig darüber zu sein, ob sie am Devisenmarkt zu Gunsten des Euro intervenieren solle. "Die Devisenbestände der EZB sind hoch genug, so dass man mal etwas Kasse machen könnte zum Wohle aller. Man könnte den Markt überraschen, für wie lange ist aber fraglich." Deshalb sei es auch verständlich, wenn die EZB nicht interveniere, sagte Meltzer. Auch Uwe Angenendt von der BHF gibt Duisenberg im Kern Recht. "Die EZB ist mit ihrer Politik auf dem richtigen Weg." Wachstums- und Inflationszahlen würden sich so weit verbessern, dass der Euro wahrscheinlich seinen Boden gefunden habe.

Nach Einschätzung verschiedener Banken wird die Angst vor weiteren Zinserhöhungen und die anhaltende Euroschwäche in der kommenden Woche für Unsicherheit an den Aktienmärkten sorgen. So könnten angesichts des Wertverlusts der europäischen Währung die "geldpolitischen Bremsmanöver" der Europäischen Zentralbank (EZB) noch stärker ausfallen als ursprünglich geplant, befürchten die Analysten der DG Bank in Frankfurt am Main. Auch die Bankgesellschaft Berlin rechnet mit weiteren Belastungen für den Aktienmarkt auf Grund der Zinsdiskussionen. Die Experten rechnen für Ende Mai im Euro-Gebiet und Anfang Juni in den USA mit einer erneuten Erhöhung der Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte. Allerdings halten sie die daraus resultierenden Kursgefahren für "überschaubar". Denn das Risiko, dass die Notenbanken die Belebung der Konjunktur "zinspolitisch abwürgen" würden, sei nicht besonders groß.

Optimistisch sieht die Commerzbank das derzeitige Börsenumfeld. Die Wachstumserwartungen für Deutschland und Europa würden weiter nach oben angepasst und die Gewinne vieler Unternehmen sprudelten kräftig. Insbesondere die Werte exportorientierter Unternehmen profitierten von der Euro-Schwäche. Gute Einstiegschancen für Anleger sehen die Experten im Bereich Chemie sowie bei RWE und Preussag.

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