Wirtschaft : Wind gesät und Sturm geerntet

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Von Dieter Fockenbrock

Die Krise kommt wie bestellt. Während Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und Umweltminister Jürgen Trittin heftig um die weitere Förderung der Windenergie streiten, drohen die ersten WindFirmen vor die Wand zu fahren. Bei der Hamburger Nordex ist das Geschäft so massiv eingebrochen, dass Schlimmes zu befürchten ist. Anderen Herstellern von Windkraftanlagen geht es kaum besser. Die gesamte, noch junge Branche steckt in einer schweren Krise. Die Kapazitäten sind inzwischen viel zu groß. Und das, obwohl in Deutschland die Windenergie boomt wie in keinem anderen Land.

Rot-Grün war angetreten, die erneuerbaren Energien aus Klimaschutzgründen massiv zu fördern. Am Ende dieses Jahrzehnts soll Windkraft schon mehr als zehn Prozent zur heimischen Stromversorgung beitragen. Jetzt sind es gerade mal drei Prozent. Um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, wird Strom aus Windkraftanlagen auf das Marktpreisniveau heruntersubventioniert. Knapp zwei Milliarden Euro sind das in diesem Jahr, die per Umlage auf die allgemeinen Strompreise aufgeschlagen werden. In zehn Jahren, verspricht die Branche, könnten Windkraftanlagen Strom zu vergleichbaren Preisen wie Kohlekraftwerke produzieren.

Aus diesem Grund will auch der Umweltminister die Zuschüsse pro Kilowattstunde nur minimal kürzen. Der Wirtschaftsminister befürchtet dagegen, dass die alternative Energie immer mehr Subventionen verschlingen wird, und fordert eine radikale Umkehr. Die Windkraftlobby wird ihm nun entgegenhalten, dass er damit tausende von Arbeitsplätzen gefährdet. Doch die Wahrheit ist anders: Die ungezügelte Subventionierung der vergangenen Jahre hat erst dazu geführt, dass Kapazitäten aufgebaut wurden, die jetzt keiner braucht. Die Krise der Branche ist ein klassisches Beispiel für die Folgen staatlicher Fehllenkung. Es wird höchste Zeit, dass die Bundesregierung die Notbremse zieht – am besten durch degressive Fördersätze mit einem maximalen Förderzeitraum. Dann kann jeder rechnen.

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