Wirtschaft : Windbranche muss Stromkonzernen nachgeben

Lobbyisten können bei Energie-Studie kaum Änderungen durchsetzen. Dennoch wollen sie zustimmen

Anselm Waldermann

Berlin - Die Windenergiebranche hat in der dena-Studie zum Ausbau der Windkraft weit weniger Änderungen durchsetzen können als sie sich erhofft hatte. Auch über die endgültige Fassung der Studie, die dem Tagesspiegel vorliegt, müsse man sich „teilweise sehr ärgern“, hieß es in Windenergiekreisen. Dennoch will die Branche der Studie in der abschließenden Sitzung der Projektsteuerungsgruppe an diesem Mittwoch zustimmen. „An uns wird es nicht scheitern“, sagte ein Windkraftlobbyist dem Tagesspiegel. „Was wir erreichen wollten, ist auch so deutlich geworden.“

Die dena-Studie über die „Netzintegration von Windenergie in Deutschland bis 2020“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von Netzbetreibern, Wirtschaft und Windbranche. Die Federführung hatte die bundeseigene Deutsche Energieagentur (dena) inne. Ursprünglich sollte die Studie bereits im Januar vorgestellt werden; kurz vor der Veröffentlichung stellte sich jedoch die Windbranche quer und forderte Änderungen an der Interpretation der Studienergebnisse.

Aus diesen Wünschen ist nicht viel geworden. So hieß es in der alten Fassung der Studie, dass Offshore-Windanlagen bis 2015 eine Leistung von zwei bis drei Gigawatt (GW) haben „sollen“ – daraus wurde nun lediglich „könnten“. An anderer Stelle wurde aus dem „industriepolitischen Aspekt“ der Windenergie eine „industriepolitische Bedeutung“. In einem anderen Punkt erreichte die Windindustrie nur, dass aus einer konkreten Aussage eine vage wurde: Würden sich die politischen Rahmenbedingungen ändern, könnte sich der Ausbau aller erneuerbaren Energien auf 20 Prozent der Stromerzeugung im Jahr 2015 „zeitlich verschieben“, heißt es in der Schlussfassung. Bisher war die Rede von einer Verzögerung „bis 2020“.

Die Kernaussagen der Studie bleiben jedoch dieselben wie im Januar. So sei zum einen ein Anteil der erneuerbaren Energien von 20 Prozent bis 2015 grundsätzlich machbar – was der Windbranche entgegenkommt. Zum anderen aber werden auch Probleme beim Netzausbau betont. So steht nach wie vor in der Studie, dass es im Jahr 2003 bei „windstarken Situationen“ zu „großflächigen Spannungseinbrüchen und kritischen Netzzuständen“ hätte kommen können. Bis 2015 werde sich die Netzsicherheit zwar verbessern, danach „verschlechtert sich die Situation aber wieder“. Ein Grund: Das Abschalten von Kernkraftwerken in Folge des Atomausstiegs.

Auch die in der Studie zugrunde gelegten Szenarien zur Preisentwicklung fossiler Brennstoffe sind nach Ansicht der Windbranche „immer noch viel zu optimistisch“. Das Jahr 2004 mit seinen Ölpreissteigerungen habe gezeigt, welche Dynamik hier möglich sei. Daher sei nicht zu verstehen, warum die dena-Studie nur mit dem Basisjahr 2003 rechne.

Dennoch wollen die Vertreter der Windbranche der Studie zustimmen – schließlich kommt sie trotz aller kritischen Punkte zu dem Schluss, dass ein Ausbau der Netze auch bei steigendem Windkraftaufkommen möglich ist. Außerdem wollen die Windlobbyisten nicht noch einmal als Bremser dastehen. Und was den Inhalt betreffe, komme es eben „auf die Interpretation an“.

Dabei hat die Auslegung der Ergebnisse schon begonnen – noch bevor sie an diesem Donnerstag offiziell veröffentlicht werden sollen. So betonte Johannes Lackmann, Vorstand im Bundesverband Erneuerbare Energien, am Dienstag, dass die Netzbetreiber „einen wesentlichen Teil der Studie selbst gemacht“ hätten, weil sie ihre Daten nicht preisgeben wollten. Auch seien die in der Studie erwähnten Kosten von 1,1 Milliarden Euro für den Ausbau der Netztrassen in den nächsten Jahren nicht besonders hoch: Der Ausbau sei ohnehin nötig, um einen europaweiten Stromaustausch zu ermöglichen.

Trotz aller Differenzen wollen es die Autoren der Studie aber noch einmal miteinander versuchen: Geplant ist ein Projekt „dena II“, das sich intensiver mit der Zeit nach 2015 beschäftigen soll. Dabei soll es um die Frage gehen, wie ein Anteil von mehr als 20 Prozent erneuerbarer Energien in das Stromnetz integriert werden kann. Die Finanzierung dieser zweiten Studie sei aber noch nicht gesichert, hieß es in Windkraftkreisen.

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