Windenergie : RWE zweifelt am Energiekonzept der Bundesregierung

Vorstand: Ziel der Bundesregierung für Offshore-Wind ist „kaum möglich“

von
Lieber britisch. RWEs Windpark „North Hoyle“ vor der Küste von Wales. Foto: RWE
Lieber britisch. RWEs Windpark „North Hoyle“ vor der Küste von Wales. Foto: RWE

Berlin - Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern RWE bezweifelt stark, dass so viel Strom aus Wind in der deutschen Nord- und Ostsee erzeugt werden kann, wie die Bundesregierung behauptet. „Es ist kaum möglich, die Ziele für den Zubau von Offshore-Wind in deutschen Hoheitsgewässern zu erreichen. Ich habe Zweifel, dass das so einfach, ist wie einige Politiker hoffen“, sagte Leonhard Birnbaum, der im RWE-Vorstand für die Strategie, Forschung und Entwicklung verantwortlich ist, dem Tagesspiegel.

Laut ihrem Ende September vorgelegten Energiekonzept bis 2050 strebt die Regierung an, dass schon im Jahr 2030, also in 19 Jahren, rund 25 Gigawatt Leistung auf hoher See erzeugt werden. „Wir können froh sein, wenn wir fünf Gigawatt schaffen“, sagte Birnbaum und bezog dies auf alle Unternehmen, die in heimischen Gewässern Windparks errichten wollen. Zum Vergleich: Die sechs Kernkraftwerke, in denen RWE hierzulande Strom erzeugt, haben zusammen eine Leistung von 6,7 Gigawatt.

RWE erzeugt den Großteil seiner Energie heute mit Kohle, 27 Prozent stammen aus Kernkraftwerken. Nur fünf Prozent des Stroms gewinnt das Unternehmen heute aus erneuerbaren Quellen – was verhältnismäßig wenig ist: Bundesweit decken Erneuerbare rund 17 Prozent des Strombedarfs.

Trotz der Zweifel am Energiekonzept betrachtet RWE die Offshore-Windkraft als erfolgversprechendsten Weg hin zu einer klimafreundlichen Energieerzeugung. Birnbaum nennt sein Unternehmen einen der „dynamischsten Marktteilnehmer in der Hochsee-Windenergie weltweit“. Tatsächlich vermeldet die Tochtergesellschaft RWE Innogy zuletzt mehrere größere Investitionen in diesem Sektor: Am Montag zum Beispiel verkündete das Unternehmen eine Auftragsvergabe an ein deutsch-dänisches Konsortium zum Bau der Fundamente des Parks „Gwynt y Môr“, 13 Kilometer vor der Küste von Wales. Der Auftragswert beträgt rund 240 Millionen Euro.

„Wir engagieren uns vor allem im Vereinigten Königreich, weil dort frühzeitig gute Bedingungen geschaffen worden sind. In Deutschland hat der Gesetzgeber spät reagiert“, sagte Birnbaum. Zudem würden neue Auflagen und Vorschläge dazu den Prozess unnötig verzögern. „Es wurde sogar schon gefordert, dass wir keine Bauarbeiten zwischen Mai und Oktober durchführen, um den Unterwasserschallschutz für Schweinswale zu gewährleisten. Wie soll das gehen? Wir können doch nicht im Winter Windräder in der Nordsee aufstellen“, erklärte der Vorstand weiter.

Autor

7 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben