Wirtschaft : Windfonds: Wie sich Luft zu Geld machen lässt

Corinna Budras,Ronnie Koch

Wer träumt nicht davon: Etwas Gutes tun und dabei gut verdienen. Mit diesem Versprechen buhlen immer mehr Betreiber von Windparks um privates Kapital - und haben in Deutschland im vergangenen Jahr über eine Milliarde Mark dafür bekommen. Die Idee ist einfach: Mit einer Einlage ab 10 000 Mark kann jeder Teilhaber eines Windparkfonds werden. Die Windräder produzieren 20 Jahre lang umweltfreundlichen Strom, die Erlöse fließen zurück in die Taschen der Geldgeber. Und glaubt man den Prospekten der Betreiberfirmen, fließen sie nicht zu knapp. So verspricht die UDI Beratungs GmbH, die im westfälischen Werl vier neue Windräder bauen will, im Schnitt eine jährliche Ausschüttung von 14,1 Prozent, beginnend mit sechs Prozent in den Anfangsjahren, bis hin zu 28 Prozent im Jahr 2021. EBV, ein Betreiber von zwölf neuen Windanlagen in Kemnitz (Brandenburg), kommt in ihren Prognosen sogar auf eine durchschnittliche Ausschüttung von 15,8 Prozent.

Doch Anleger sollten sich von solchen Zahlen nicht blenden lassen. Gewinne sind nicht garantiert. Jede Unternehmensbeteiligung birgt Risiken, auch die an Windfonds. Selbst beim Interessenvertreter, dem Bundesverband Windenergie, existiert seit drei Jahren eine Notgemeinschaft, die sich um geschädigte Anleger kümmert. Denn pleite gehen kann ein Windpark-Betreiber durchaus. Da die Windfonds oft als Kommanditgesellschaft organisiert sind, haftet der Teilhaber mit seiner Einlage - sein Geld wäre verloren. Dieses Risiko liege aber "im Promillebereich", so der Verband.

Ein deutlich höheres Risiko sind falsche Prognosen: Wenn weniger Wind weht als erwartet, drückt das auf die Rendite. Die meisten Betreiber geben daher inzwischen vor dem Bau der Anlagen zwei unabhängige Windgutachten in Auftrag, vergleichen die Zahlen mit dem Ertrag bestehender Windräder in der Nachbarschaft und berechnen zusätzlich einen Sicherheitsabschlag von fünf bis zehn Prozent. Wenn dann doch mehr Wind bläst, kann ein Fonds auch überraschend lukrativ sein. In welche Richtung es geht, ist jedoch schwer vorherzusagen. Umfangreiche Statistiken über die Erfahrung mit Windfonds gibt es bislang nicht.

Schieflagen in den 90er Jahren

Im großen Stil starteten Windfonds ohnehin erst Mitte der 90er Jahre. Wie teuer es ist, Windräder 20 Jahre lang in Stand zu halten und am Ende zu entsorgen, kann man bisher nur schätzen. Das Deutsche Windenergie-Institut errechnete dafür Beträge, die ungefähr 70 Prozent des Kaufpreises einer Anlage entsprechen. Experten empfehlen daher, genau zu prüfen, inwieweit Betreiber von Windparks diese Folgekosten berücksichtigen. Insbesondere Ende der 90er Jahre gerieten einige Fonds in finanzielle Schieflage, weil durch die Liberalisierung der Energiemärkte auch die Erlöse für Ökostrom sanken. Aufwärts ging es erst wieder mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) der rot-grünen Regierung, das seit April 2000 gilt. Das Gesetz garantiert eine Vergütung von bis zu 17,8 Pfennige pro Kilowattstunde für Windstrom. Im März urteilte dann der Europäische Gerichtshof, dass diese Subvention aus Umweltschutzgründen gerechtfertigt ist.

Die meisten Betreiber versprechen die Vergütung von 17,8 Pfennig pro Kilowattstunde für die vollen 20 Jahre. Ein genauer Blick in das EEG lässt daran jedoch zweifeln. Danach wird die Vergütung von 17,8 Pfennigen für mindestens fünf Jahre gewährt, kann danach aber auf 12,1 Pfennige sinken. In der Regel gilt: Je schlechter ein Standort, desto länger bekommt eine Windkraftanlage die Maximalvergütung. Schließlich sollen die Standorte im Binnenland gegenüber den windigen an der See begünstigt werden. "Meist wird diese Maximalvergütung sechs bis neun Jahre lang gewährt", sagt Wolfgang Langen vom Referat Markteinführung Erneuerbare Energie des Wirtschaftsministeriums. Die Maximalförderung über die vollen 20 Jahre ist nach seinen Angaben eher die Ausnahme. "Dann müssten die Anlagen schon im Windschatten stehen."

Max Deml, Herausgeber des Börsenbriefs Öko-Invest, schätzt die Rendite von Windfonds auf fünf bis zehn Prozent. Die schnelle Mark lässt sich damit nicht machen. Immerhin ist das Geld zwei Jahrzehnte lang fest verplant. Und in den ersten Jahren sind die Ausschüttungen niedrig, zum Teil fallen sogar Verluste an. Das kann attraktiv sein für Besserverdiener, die das Minus steuerlich absetzen können. Für die kurzfristige Geldanlage jedoch empfiehlt Deml den Weg an die Börse. Auch hier können Anleger ihr Geld ökologisch einsetzen. Betreiber von Windparks sind bereits börsennotiert, etwa die Firma Umweltkontor. Auch Windrad-Hersteller wie Vestas oder NEG Micon sahen zuletzt Kurssteigerungen.

Die Windkraft-Manager versprechen Gewinne, denn die Branche boomt seit zehn Jahren. Anfang der 90er Jahre drehten sich nur einige hundert Räder, inzwischen sind es fast 10 000. Die Stromproduktion aller Anlagen zusammen ist höher als die eines Kernkraftwerks. Weil die Standorte auf dem Festland knapp werden, planen die Betreiber riesige Parks auf hoher See. Das Umfeld bleibt günstig: Künftig soll immer weniger Energie aus Öl und Kohle gewonnen werden, der Atomausstieg ist besiegelt. Die Zukunft der Windkraft hat erst begonnen.

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