Wirtschaft : Windhorst steigt bei Air Berlin ein

Investmentfirma Vatas nun größter Einzelinvestor. Die Aktie klettert um mehr als zehn Prozent

Juliane Schäuble

Berlin - Eines muss man Lars Windhorst lassen: Schlagzeilenträchtig ist der einstige Starunternehmer noch immer. Erst am Mittwoch dieser Woche wurde der 31-Jährige aus dem Berliner Unfallkrankenhaus entlassen, wo er seit Weihnachten nach dem Absturz eines Privatflugzeuges in Kasachstan behandelt wurde. Einen Tag später wurde bekannt, dass die Berliner Investmentfirma Vatas Holding GmbH, deren Geschäftsführer Windhorst ist, neuer Großaktionär von Air Berlin ist. Der Investor habe am 2. Januar die Schwelle von 15 Prozent der Air-Berlin- Stimmrechtsanteile überschritten, teilte die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft am Donnerstag mit. Über die Tochterfirma Haarlem One halte Vatas knapp über 15,4 Prozent der Aktien und habe damit die Deutsche Bank, die mit 15,2 Prozent an Air Berlin beteiligt sei, als bisher größten Einzelinvestor abgelöst.

LarsWindhorst gilt als eine der schillerndsten Figuren des Internetbooms. Mit 16 hatte er in den 90er Jahren Elektronikteile aus Asien importiert, sie zu Computern zusammengebaut und anschließend gewinnbringend verkauft. Von manchen schon als „deutscher Bill Gates“ gefeiert, setzte seine Firmengruppe Millionen um – um dann 2004 nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes Insolvenz anmelden zu müssen. Ein Jahr zuvor hatte Windhorst schon als Privatmann einen Offenbarungseid abgelegt. Mehrere Gläubiger – insgesamt schuldete er 60 Gläubigern rund 78 Millionen Euro – überzogen ihn daraufhin mit Klagen. Doch als Privatmann ist Windhorst seit diesem Sommer schuldenfrei – und mit der Vatas Holding wieder voll im Geschäft.

Was der neue Investor vorhat, ist unklar. „Wir gehen bisher davon aus, dass es sich um ein normales Börsengeschäft handelt“, sagte Air-Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel dem Tagesspiegel. „Wir sind daher auch nicht beunruhigt.“ Vatas-Vertreter seien gelegentlich auf Investoren- Tagen aufgetaucht, das sei aber nichts Ungewöhnliches. Windhorst selbst wollte sich am Donnerstag nicht äußern.

Auch Analysten gehen von einem Finanzinvestment aus. „Die Air-Berlin-Aktie ist seit Wochen fundamental unterbewertet“, sagte NordLB-Analystin Martina Noß. „Das war ein guter Kauf. Aber Vatas wird kaum langfristig ins Luftfahrtgeschäft einsteigen.“ Wenn der Investor zu einem Kurs von 11,80 Euro gekauft habe, hätte er insgesamt nur knapp 120 Millionen Euro bezahlt. Vatas rechne wohl mit einem steigenden Kurs in 2008. Wahrscheinlich hat die Holding, hinter der der britische Investmentfonds Sapinda International des Südafrikaners Robert Hersov steht, die Aktien über Monate hinweg in kleinen Häppchen gekauft. Denn wenn größere Pakete auf einen Schlag den Besitzer wechseln, ist dies meldepflichtig – der Aktienkurs wäre schon früher in die Höhe geschnellt. Am Donnerstag stieg die Aktie um 10,2 Prozent auf 13,69 Euro.

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