Wirtschaft : Windkraft soll Renditen in Schwung bringen

REINER REICHEL (HB)

DÜSSELDORF .Die Anteile an Windparkfonds gehen zur Zeit weg wie warme Semmeln.Nach drei Tagen sei der "Windpark Weenermoor" plaziert gewesen, frohlockt die Umweltbank AG in Nürnberg.In nur sechs Stunden hatte die GHF Gesellschaft für Handel und Finanzen mbH, Leer, als Anbieter von Schiffsbeteiligungen bekannt, nach eigenen Angaben den "Windpark Sitten" (11,2 Mill.DM) unter die Leute gebracht.

Wenn geschlossene Fonds so schnell plaziert werden, spricht dies für zweierlei - für die Kraft des Anbieters und dafür, daß kaum ein Anleger sich die Zeit genommen hat, den Prospekt intensiv zu lesen, bevor er den Zeichnungsantrag unterschrieben hat.Immerhin - auf dem Papier wird einiges geboten: 100 Prozent Verlustzuweisung, womöglich noch in diesem Jahr voll wirksam, bei einigen Fonds 40 Prozent Sonderabschreibung (Sonder-AfA) nach Paragraph 4 Abs.1 Satz 5 Fördergebietsgesetz und jährliche Ausschüttungen, die in ferner Zukunft bei manchen Fonds 25 Prozent übersteigen sollen.

Und wie sieht es mit den Risiken aus? Daß ausgerechnet eine rot-grüne Regierung Investitionen in regenerative Energien den Rendite-Wind aus den Segeln nehmen könnte, mag der Zeichner eines Windkraftfonds kaum glauben.Doch das Wohlwollen der Regierungskoalition macht die Stromerzeugung aus Wind gegenüber der aus konventionellen Kraftwerken noch nicht konkurrenzfähig.Was kann schiefgehen? Steuerlich betrachtet erzielt der Kommanditist Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb.Wenn der Paragraph 34 des Einkommensteuergesetzes fällt, muß ein mit dem Verkauf der Windkraftanlage erzielter Veräußerungsgewinn voll versteuert werden anstatt wie bisher mit dem halben persönlichen Steuersatz.Wer durch Anteilsfinanzierungen seinen Kapitaleinsatz verringert, sollte darauf achten, daß er trotz des Zinsaufwandes bis zum Laufzeitende des Fonds einen Totalgewinn erzielt.Die Summe der Jahresergebnisse muß positiv ausfallen.Der Anleger riskiert anderenfalls die rückwirkende Aberkennung der Steuervorteile.Die Sonder-AfA von 40 Prozent gibt es nur noch in diesem Jahr.Deshalb kaufen die Initiatoren von Sonder-AfA-Fonds Windparks schlüsselfertig zum Festpreis von Generalunternehmen.Deren Leistung zahlen sie noch in diesem Jahr an.Weil die Sonder-AfA nur auf die Anzahlung gewährt wird, neigen die Initiatoren dazu, möglichst viel anzuzahlen.

Das hektische Jahresendgeschäft bringt es zudem mit sich, daß Fonds auf den Markt kommen, bei denen die Initiatoren noch keine endgültigen Baugenehmigung für den Windpark vorweisen können.Der Anleger muß sich selbst überlegen, ob er das Risiko, daß eine solche Baugenehmigung versagt bleibt, eingehen will.

Das Stromeinspeisungsgesetz (StrEG) verpflichtet zwar Elektrizitätsversorger zur Abnahme von Strom aus erneuerbaren Energien.Doch um Verzögerungen bei der Einspeisung zu vermeiden, sollte eine Einspeisungszusage des örtlichen Elektrizitätsversorgers vorliegen sowie Finanzierung und Fertigstellung des Umspannwerkes gesichert sein."Es hat Anlagen gegeben, bei denen die Windmühlen standen, kein Strom und somit keine Einnahmen flossen", warnt Jörg Bold, Marketingleiter beim Freiburger Fonds-Konzeptionär Bobikiewicz & Partner Gesellschaft zur Betreuung und Finanzierung umweltorientierter Vorhaben mbH (B & P).

Daß es Energieversorger nicht eilig haben, Ökostrom einzuspeisen, ist naheliegend: Paragraph 3 des StrEG regelt, daß sie je Kilowattstunde 90 Prozent des von ihnen erzielten Durchschnittserlöses beim Endverbraucher zu zahlen haben.1998 sind dies 16,79 Pfennige je Kilowattstunde, im nächsten Jahr werden es 16,52 Pfennige sein.Selbst erzeugter Strom kostet die Elektrizitätswerke aber nur etwa acht bis zehn Pfennige.Vor allem die norddeutschen Versorger beklagen die Mehrbelastung, weil in den Küstenländern überdurchschnittlich viele Windparks errichtet wurden.Eine Überprüfung des StrEG vor dem Europäischen Gerichtshof steht an.So hält EU-Wettbewerbskommissar Karel Van Miert das StrEG für eine unerlaubte Beihilfe.In Deutschland wird zur Zeit ein bundesweites Umlageverfahren für die Mehrkosten durch das StrEG diskutiert.

Kaum zu entkräften ist die Annahme, daß in einem liberalisierten Strommarkt die Preise fallen werden.Sinken die Endverbraucherpreise, gehen auch die Einspeisungsvergütungen und somit auch die Einnahmen der Fonds zurück.Diese aber gehen in ihren Musterrechnungen überwiegend von konstanten Strompreisen aus.

Anleger sollten sich wenigstens Alternativrechnungen für sinkende Strompreise vorlegen lassen.Gegen Schwankungen bei der Stromausbeute ist kein Fonds gefeit.Dafür sorgen allein schon wechselnde Wetterbedingungen.Die Windmühlen sind in der Regel auf eine Lebensdauer von 20 Jahren ausgelegt.Doch es ist gerade einmal 20 Jahre her, daß die ersten Windkraftanlagen in Deutschland gebaut wurden.

Fazit: Der Erfolg eines Windkraftfonds hängt stark von politischen und rechtlichen Entscheidungen ab, auf die weder Initiatoren noch Anleger Einfluß haben.Auch im Jahresendspurt sollten Anleger deshalb Hektik vermeiden.

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