Wirtschaft : „Windstrom wird zum Billigmacher“

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Herr Vahrenholt, der Umweltminister will 2050 etwa 50 Prozent des Bedarfs in Deutschland mit regenerativer Energie decken. Ist das realistisch?

Weltweit kann ich mir das durchaus vorstellen. In Deutschland werden Wind, Wasser, Sonne und Biomasse mindestens 25 Prozent erreichen. Den größten Beitrag wird die Windenergie leisten. Wenn sich das DreiLiter-Auto durchsetzt und wir es schaffen, den Stromverbrauch durch Einsparungen zu halbieren, können es auch deutlich mehr werden.

Das klingt utopisch.

Bis Mitte des Jahrhunderts stehen möglicherweise noch ganz andere Techniken und Energiequellen zur Verfügung. Kraftwerke ohne Kohlendioxid-Emission oder Fusionsreaktoren. Vielleicht gibt es sogar eine Renaissance von sicheren Kernkraftwerken. Gas und Erdöl brauchen wir jedenfalls für ganz andere Zwecke.

Wie erzeugen wir in 50 Jahren Strom?

Wir müssen uns alle Optionen offen halten. Technologieverbote darf es nicht geben.

Wind und Sonne sind nur wettbewerbsfähig durch massive staatliche Förderung.

Es handelt sich dabei um eine Zukunftsinvestition. Der Charme liegt darin, dass damit privates Kapital angelockt wird, das nicht in Immobilien in Miami fließt, sondern in deutsche Windparks. In zehn Jahren ist Strom aus Windkraft in Deutschland wettbewerbsfähig gegenüber Kohlekraftwerken. Weil Strom aus Kohle immer teurer wird, Windmühlen dagegen immer preiswerter produzieren. Und ich bin sicher, dass Windstrom ab 2010 sogar zum Billigmacher im Strommix wird.

Aber es wird auf jeden Fall teurer?

Den Ölpreis sehe ich bei über 50 Dollar, in zwanzig Jahren deutlich darüber. Der Gaspreis wird sich verdoppeln. Beim Strom rechne ich mit höchstens 30 Prozent höheren Preisen.

Die Industrie klagt schon jetzt über horrende Energiekosten. Können wir uns teuren Klimaschutz überhaupt leisten?

Wir dürfen nicht den letzten Prozentpunkt herausquetschen. Luft und Flüsse waren in Deutschland noch nie so sauber wie heute. Unser Problem sind die Kohlendioxid-Emissionen. Trotzdem bin ich auch für großzügige Härtefallregelungen für energieintensive Energiezweige. Es muss doch in Deutschland möglich sein, gleichzeitig Windkrafttechnik zu fördern und Stahlwerke zu halten.

Die Fragen stellte Dieter Fockenbrock.

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