Wirtschaft : Winterschlussverkauf startet erfreulich

Nach dem ersten Tag des Ausverkaufs rechnet der Handel aber noch nicht mit einer grundsätzlichen Wende zum Besseren

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Berlin (msh). Der Handel ist nach eigenen Angaben gut in den Winterschlussverkauf gestartet. Beim Warenhauskonzern Karstadt habe der Ausverkauf trotz des schlechten Wetters „recht erfreulich“ begonnen, sagte ein Sprecher. Die Textilkette C & A verzeichnete in den ersten Stunden nach der Öffnung sogar ein leichtes Umsatzplus im Vergleich zum Vorjahr. Einen Ansturm auf die Geschäfte habe es aber trotz Preisnachlässen bis zu 80 Prozent nicht gegeben.

Ein guter Winterschlussverkauf könnte dem Einzelhandel die Hoffnung auf eine Trendwende bringen. Im Vorjahr hatten die schlechte Wirtschaftslage und die Diskussion um den Teuro den Kunden die Kauflaune verdorben: Der Umsatz in der gesamten Branche war um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Besonders hart betroffen von der Konsumflaute waren die Bekleidungshändler, die 2002 rund acht Prozent weniger umsetzten. Gegensteuern wollen die Geschäfte jetzt mit neuen Sortimenten und der Senkung der Kosten.

Mit einer grundlegenden Besserung der Situation im Einzelhandel rechnen Experten auch bei einem guten Winterschlussverkauf nicht. „Die Stimmung der Verbraucher ist schlecht. Das wird sich vorerst nicht ändern“, sagt Michael Weck von der BBE Handelsberatung. Insbesondere Textilhändler wie Peek & Cloppenburg, Sinn Leffers oder die Warenhäuser mit ihrem hohen Anteil an Bekleidung stehen wegen der Kaufzurückhaltung, sinkende Preise und aggressiven ausländischen Wettbewerbern unter Druck. Um Geld in die Kassen zu bekommen, setzten viele Geschäfte im vergangenen Jahr auf hohe Rabatte. „Der Winterschlussverkauf hat in dieser Saison eigentlich schon vor Weihnachten begonnen. Das drückt auf die Rendite“, sagt Weck.

Allerdings werde sich die Situation in diesem Jahr etwas entspannen, weil die Ladeninhaber ihre Bestände der geringeren Nachfrage anpassen. Als eine der wenigen Chancen, um die eigenen Kosten zu senken und im Verdrängungswettbewerb zu bestehen, gelten Eigenmarken. Im Gegensatz zu den Marken bekannter Textilhersteller wie Boss, Escada oder Esprit produzieren die Händler ihre Handelsmarken in eigener Regie. Der Vorteil: „Die Händler können mit den Eigenmarken ihre Sortimente flexibler gestalten und haben die Kontrolle über Design, Produktion und Verkauf“, sagt der Handelsexperte HansChristian Limmer. Trotz des größeren Aufwandes für das Unternehmen seien die Eigenmarken deutlich kostengünstiger und brächten daher höhere Gewinne als die Herstellermarken.

Vorreiter dieser Entwicklung ist die Bekleidungskette C & A, die fast ausschließlich auf eigene Marken wie Westbury oder Clockhouse setzt. C & A konnte dank seiner niedrigen Preise im vergangenen Jahr in einem schrumpfenden Markt seine Umsätze sogar steigern. Nach dem Vorbild von C & A verfahren auch Konkurrenten wie Peek & Cloppenburg oder Karstadt. Bei Karstadt liegt der Anteil der Eigenmarken inzwischen bei rund 60 Prozent. Nachteile hat diese Strategie für schwache Marken. „Viele Geschäfte setzen im teuren Segment auf die Zugkraft der großen Marken. Im unteren und mittleren Preissegment gibt es fast ausschließlich Eigenmarken“, sagt Limmer.

Ähnlich erfolgreich wie C & A sind auch die Textilketten H & M, Zara oder Mango, die den deutschen Händlern zunehmend Marktanteile abjagen. „Bei diesen Ketten ist der Händler selbst die Marke“, sagt Limmer. Die Unternehmen kontrollieren vom Design, über die Herstellung bis zum Verkauf alles selbst und haben damit deutliche Kostenvorteile gegenüber der Konkurrenz. Einen weiteren Vorteil bringt den Filialisten der Wegfall des Rabattgesetzes und die geplante Abschaffung der Schlussverkäufe. Da sie alle acht bis zwölf Wochen ihre Kollektionen austauschen, können sie künftig noch flexibler reagieren. „Läuft eine Kollektion aus, werden mit Ausverkäufen die Regale für die neue Ware freigemacht“, sagt Limmer. Schlussverkauf sei dann das ganze Jahr über.

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