• „Wir belohnen Risikobereitschaft mit Neid“ Unternehmensberater Roland Berger über deutsche Manager

Wirtschaft : „Wir belohnen Risikobereitschaft mit Neid“ Unternehmensberater Roland Berger über deutsche Manager

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ROLAND BERGER

ist Gründer und Aufsichtsratschef der gleichnamigen Unternehmensberatung

Foto: dpa

Herr Berger, verliert die deutsche Wirtschaftselite an Glaubwürdigkeit?

Ja, leider hat die Glaubwürdigkeitskrise jetzt auch Unternehmer und Manager erreicht. Gründe dafür gibt es viele: technische Pannen wie bei Toll Collect oder liegen gebliebene Neigezüge; unvertretbare Manipulationen beim Börsencrash der New Economy; nicht durch Leistung zu rechtfertigende Einkommen und Abfindungen; aber auch aus meiner Sicht ungerechtfertigte Anklagen von Staatsanwälten gegen unbescholtene Leistungsträger wie die Herren Ackermann, Zwickel und Esser. Und nicht zuletzt eine Neiddiskussion, die Politiker beider Lager und Medien sehr unreflektiert führen.

Tun deutsche Manager nicht genug zur Bewältigung dieser Krise?

Leistung und Kompetenz des deutschen Managements sind besser als in unseren Nachbarländern und sogar in den USA. Dort gab es die wirklich großen Skandale, bei denen Aktionäre, Arbeitnehmer und Pensionäre um Vermögen und Arbeitsplätze betrogen wurden. Namen wie Enron, Tyco oder Worldcom stehen dafür. Die deutschen Manager müssen ihre Leistungen aber besser kommunizieren und die Fesseln einer ungenügenden Corporate Governance sprengen.

An welchen Kriterien soll man denn die Qualität von Managern messen?

Ganz einfach: an Wachstum von Aktienwert, Gewinnen und Umsatz ihrer Unternehmen, an der Zufriedenheit ihrer Kunden und Mitarbeiter, an der weltweiten Wettbewerbsfähigkeit ihrer Firmen bei Innovation, Produktivität und Internationalisierung.

Deutschen Managern wird vorgeworfen, zwar leistungsbereit und gut ausgebildet, aber wenig risikobereit zu sein. Stimmen Sie zu?

Zum Teil. Das liegt auch an den deutschen Rahmenbedingungen: Unsere Ausbildung konzentriert sich zu sehr auf die Vermittlung von Fachwissen und zu wenig auf die Entwicklung der Persönlichkeit. Unser Umfeld verdammt Scheitern, belohnt aber Risikobereitschaft und Erfolge nur mit Neid. Die amerikanische Gesellschaft bewundert erfolgreiche Unternehmer und hohe Einkommen und betrachtet unternehmerisches Scheitern als positiven Lernprozess, der dem Gescheiterten neue Chancen eröffnet.

Viele Deutsche meinen angesichts von Pannen und Pleiten, dass viele Manager zu viel Geld verdienen und zu hohe Abfindungen kassieren. Werden falsche Anreize gesetzt?

Wenn wir international wettbewerbsfähige Leistungen wollen, müssen wir auch bereit sein, international wettbewerbsfähige Einkommen zuzulassen. Sonst verlassen die Leistungseliten Deutschland, und unsere Bürger büßen dafür mit Verlusten an Arbeitsplätzen und Wohlstand. Dies gilt vor allem für den Nachwuchs, der entweder riskante und risikoreiche Berufe und Karrieren vermeidet oder ins Ausland geht. Bei den Ärzten haben wir dies ja schon erlebt.

Bremsen Manager sich nicht auch selbst aus, indem sie sich zum Teil gegen mehr Transparenz in der Unternehmensführung wehren?

Im Gegenteil: Die Leistungsträger in der Wirtschaft wollen mehr Transparenz und klare Verantwortungen. Aber dafür brauchen wir einen Paradigmenwechsel, der die überbetriebliche Mitbestimmung und die Gesamtverantwortung von Vorständen, hinter der sich einzelne Manager verstecken können, hinterfragt. Jeder Einzelne in einem Vorstand sollte an seinem Erfolg in seinem Verantwortungsbereich gemessen und entsprechend bezahlt werden – und die Konsequenzen tragen, wenn der Erfolg ausbleibt.

Das Gespräch führte Maren Peters.

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