Wirtschaft : „Wir bestehen gegen die Großen“

Warum der Übernahmedruck den Mittelständler Georgsmarienhütte kalt lässt

Bernd Hops

Während die Großen darum kämpfen, noch größer zu werden, beobachtet Jürgen Ralf Großmann das Treiben gelassen. Sein Unternehmen, die Georgsmarienhütte Holding GmbH, wäre einer der natürlichen Übernahmekandidaten. Es ist nicht besonders groß, hat aber eine Menge an technischem Know-how und schreibt einen ordentlichen Gewinn. 43 Firmen mit rund 9000 Mitarbeitern gehören dazu, der Umsatz liegt bei rund zwei Milliarden Euro. „Es gibt schon einige, die an meinem Unternehmen interessiert sind“, erzählt Großmann, „aber es ist nicht zu verkaufen.“ Wenn man etwas selber geschaffen habe, identifiziere man sich auch damit. Das sei ihm wichtiger, „als irgendein abstraktes Vermögen zu vermehren“, sagt Großmann. Zum Identifizieren gibt es für ihn genug Gründe.

Der Stahlmann hat die heutige Georgsmarienhütte GmbH aus der in den Vergleich geschickten Klöckner Edelstahl GmbH aufgebaut. Für symbolische zwei Mark übernahm er 1993 das Stahlwerk von der Klöckner Werke AG – zusammen mit 120 Millionen Mark Schulden. Heute ist an dem Standort ein hocheffizienter Elektrolichtbogenofen installiert, die Arbeitsplätze sind gesichert. Weitere 42 Unternehmen wurden bis heute in Deutschland und Österreich übernommen. Seinen Erfolg begründet Großmann damit, dass er alles bietet – von der Rohstahlerzeugung über die Walzerei bis zur Schmiede. Während die Großen der Branche außerdem versuchen, sich mit Übernahmen Erzvorkommen zu sichern, setzt Großmann auf Schrott als Rohstoff. Da steigen die Preise zwar auch durch die weltweit starke Nachfrage, aber in dem Metier, in dem sein Unternehmen tätig ist, werden Schrottpreisveränderungen an die Absatzmärkte weitergereicht. Die Abnehmer haben sehr spezielle Wünsche, die schnell bedient werden müssen. Darin sieht Großmann die Chance für Mittelständler. Auch in Zukunft werde man sich gegen die Großen der Branche behaupten können, ist er sich sicher. Das heißt aber nicht, dass er sich mit dem zufrieden gibt, was er hat. Auch Großmann will wachsen. „Sonst verlieren Sie den Biss.“

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