Wirtschaft : „Wir bewegen uns auf dünnem Eis“

KaDeWe-Chef Volker Weihe über Schnäppchen zu Weihnachten

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Herr Weihe, der Einzelhandel hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Konnte sich das KaDeWe von diesem Trend abkoppeln?

In den vergangenen Jahren lief unser Geschäft immer besser als im Durchschnitt der Branche. In diesem Jahr hatten aber auch wir unsere Schwierigkeiten. Die Konsumflaute hat inzwischen alle Einkommensschichten erreicht. Zudem sind deutlich weniger Touristen nach Berlin gekommen, vor allem aus Amerika.

Wie entwickelt sich das Weihnachtsgeschäft im KaDeWe?

Gemessen an den schwachen Vormonaten läuft das Geschäft jetzt besser. Aber in diesem Jahr hat das Weihnachtsgeschäft deutlich später eingesetzt. Während es sonst schon Anfang November beginnt, ging es im laufenden Jahr erst am Adventssamstag richtig los.

Können Sie das Niveau des Vorjahres erreichen?

Wahrscheinlich nicht. Im vergangenen Jahr haben viele Menschen noch ihre DMark-Bestände ausgegeben. Dieser Effekt fällt jetzt weg. Ich hoffe aber, dass sich eine positive Weihnachtsstimmung durchsetzt, was dem Einzelhandel zugute kommen würde.

Könnte das Weihnachtsgeschäft einen Stimmungswandel bei den Verbrauchern einleiten?

Die Menschen kaufen zu Weihnachten mehr ein, weil sie Familie oder Freunden eine Freude machen wollen. Eine grundsätzliche Stimmungswende sehe ich aber leider nicht. Es kommen aus keiner Branche positive Signale und schon gar nicht aus der Politik.

Was erwarten Sie von den Politikern?

Die Wunschliste ist lang. Wichtig ist uns das Thema Ladenschluss. Die Geschäfte müssen am Samstag bis 20 Uhr geöffnet bleiben können. Bisher müssen wir, außerhalb der Weihnachtszeit, leider um 16 Uhr schließen. Ich hoffe, dass die Regierung die Reform durchsetzt.

Welche Produkte laufen in diesem Jahr besonders gut?

Die Kunden bevorzugen sehr persönliche Geschenke, zum Beispiel edle Taschen, feine Cashmere-Schals oder Schmuck. Immer beliebter werden Geschenkgutscheine. Damit können sich die Beschenkten selbst aussuchen, was sie kaufen wollen.

Achten die Kunden stärker auf den Preis als zuvor?

Der Kunde unterscheidet zwei Dinge. Bei persönlichen Anschaffungen wie der Winterbekleidung achten die Verbraucher eher auf den Preis. Bei Geschenken für Familie und Bekannte sparen sie eher nicht.

Gibt es auch im KaDeWe hohe Rabatte?

Wir folgen hier inzwischen der Gesetzmäßigkeit des Marktes. Wir geben zurzeit für modische Bekleidung 25 Prozent Rabatt. Man muss bei solchen Rabattaktionen aber glaubwürdig bleiben. Unsere Rabattsätze sind realistisch. Der Kunde muss nachvollziehen können, was die Ware ursprünglich gekostet hat.

Die Kunden profitieren von den Rabatten. Wie wirkt sich der Preiskampf im Handel aus?

Der Handel bewegt sich mit den Rabattaktionen auf dünnem Eis. Bei Preisnachlässen von 40 oder 50 Prozent wissen die Verbraucher doch gar nicht mehr, welcher Preis noch angemessen ist. Das verunsichert die Konsumenten.

Was macht das KaDeWe anders als andere Kaufhäuser?

Das KaDeWe selbst ist eine Marke mit eigener Philosophie, die wir pflegen. Wir bieten den Kunden ein Einkaufserlebnis mit einer großen Auswahl, gutem Service und einem schönen Ambiente. Der Einkauf soll schließlich Spaß machen. Das geht weit über einzelne Rabattaktionen hinaus.

Was heißt das praktisch?

Das KaDeWe hat deutlich mehr Mitarbeiter, bezogen auf die Einkaufsfläche, die unsere Kunden beraten , als in anderen Häusern. Zudem bieten wir viele Services, die dem Kunden den Einkauf erleichtern. Wir haben zum Beispiel eine Garderobe, eine Gepäckaufbewahrung und wir tragen die Einkaufstüten zum Auto.

Das Gespräch führte Maurice Shahd.

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