Wirtschaft : "Wir brauchen echte Partner"

Seit April ist Dasa-Chef Manfred Bischoff auch Aufsichtsratsvorsitzender von Airbus Industrie.Das Unternehmen soll nächstes Jahr als Aktiengesellschaft auftreten - ein erster Schritt zur umfassenden Neuordnung der zivilen und militärischen Luftfahrtindustrie in Europa.Über den gegenwärtigen Stand der Verhandlungen sprach Martina Ohm mit dem Airbus-Chefkontrolleur Bischoff.

TAGESSPIEGEL: Herr Bischoff, die Airbus AG soll Anfang 1999 an den Start gehen.Werden Sie diesen Zeitplan einhalten?

BISCHOFF: Wir Airbus-Partner sind fest entschlossen, die Airbus Aktiengesellschaft 1999 zu gründen.Aber das ist ein einzigartiges Projekt, für das es kein Vorbild gibt.Wenn wir deshalb heute noch eine ganze Reihe schwieriger Fragen vor uns haben, ist das nicht verwunderlich.Es ist aber nicht entscheidend, ob wir nun Anfang oder Ende 1999 soweit sind.Heute sind wir auch in unseren jetzigen Strukturen noch wettbewerbs- und ertragsfähig.Aber für die Zukunft ist ein einheitliches Unternehmen unverzichtbar.Entscheidend ist deshalb das Ergebnis.Und da bin ich sehr zuversichtlich.Denn wir haben in allen entscheidenden Grundfragen bereits Einvernehmen erzielt.Etwa über die Unternehmensziele, die privatwirtschaftliche Ausrichtung, über Management- und Organisationsstrukturen.

TAGESSPIEGEL: Kann der Ausgang der Bundestagswahlen den Fahrplan stören?

BISCHOFF: Nein, denn in der Frage der Europäisierung unserer Industrie - und vor allem in der Frage der Gründung der Aktiengesellschaft - gibt es einen breiten Konsens zwischen den Unionsparteien, der SPD und den Liberalen.Alle befürworten eine Stärkung der deutschen Position in Europa und das wird nach den Wahlen nicht anders sein.

TAGESSPIEGEL: Welchen Stellenwert hat die vollständige Privatisierung der französischen Luft- und Raumfahrtindustrie? Reicht Ihnen die Teilprivatisierung von Aérospatiale?

BISCHOFF: Die Entscheidungen in Frankreich zum Beginn der Privatisierung von Aérospatiale begrüße ich sehr.Aber was wir bisher gehört haben, kann nur ein erster Schritt sein auf dem Weg zu einer vollständigen Privatisierung.Denn noch immer ist der Staat der größte Anteilseigner.

Wir meinen, daß alle Gesellschafter in dem vorgeschlagenen gesamteuropäischen Unternehmen an einem Strang und vor allem in die gleiche Richtung ziehen müssen.Daß private und staatliche Gesellschafter das dauerhaft nur sehr schwer können, liegt auf der Hand.Denn dem Staat geht es um Arbeitsplätze, Technologien und oft auch um Prestige.Private Gesellschafter sind dagegen in erster Linie dem Unternehmenserfolg verpflichtet.Wir haben in Deutschland nach der Privatisierung unserer Industrie vor fast zehn Jahren sehr gute Erfahrungen mit voller unternehmerischer Handlungsfreiheit gemacht.Es gibt für uns keinen Grund, jetzt in Europa einen anderen Weg zu gehen.

TAGESSPIEGEL: Wiederholt haben Sie damit gedroht, daß man Alternativen verfolge, sollte sich Europa nicht bewegen.Was bedeutet das im Zweifelsfall? Würden Sie ernsthaft die gute Zusammenarbeit mit den Franzosen aufs Spiel setzen?

BISCHOFF: Wir drohen niemandem und reden mit allen.Und Europäisierung und transatlantische Kooperation schließen sich nicht aus.Im Gegenteil: Wenn transatlantische Partnerschaften auf Gleichwertigkeit beruhen sollen, brauchen wir dafür eine starke und einige europäische Luft- und Raumfahrtindustrie.Wie auch immer der Integrationsprozeß im einzelnen verlaufen wird, niemand kann und will es sich leisten, am Schluß ohne Partner dazustehen.Und niemand will zerstören, was in über 30 Jahren europäischer Kooperation bereits an Gemeinsamkeiten geschaffen wurde.Das wissen auch unsere französischen Freunde.Aber klar ist auch: Wir werden unsere Interessen auch in Bündnissen mit allem Nachdruck vertreten.Sollte ein Partner uns dominieren wollen, werden wir andere Partner finden, mit denen eine echte Partnerschaft möglich ist.

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