Wirtschaft : "Wir fühlen uns als Berliner Großbank"

Zentrale der Dresdner Bank war 60 Jahre in Berlin

BERLIN (mo).Die Dresdner Bank fühlt sich Berlin besonders verbunden.Die bis dato ­ gemessen an der Bilanzsumme ­ zweitgrößte deutsche Geschäftsbank wird noch dieses Jahr in der Haupstadt mit vier Vorständen präsent sein.Für entsprechende Räume wurde in dem am Pariser Platz entstehenden Neubau jedenfalls noch rechtzeitig vorgesorgt."60 Jahre war unsere Zentrale in Berlin", erinnert Gerhard Richter, Niederlassungsleiter der Dresdner Bank Berlin, in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel."Wir fühlen uns als Berliner Großbank." Ganz entscheidend habe das Institut am Aufbau des Banken- und Finanzplatz Berlin teilgehabt, der seinerzeit führend war.Zwangsweise habe man das Feld räumen müssen, doch der Stadt stets die Treue gehalten.In Erinnerung an die Mauerzeiten wird heute noch eine Berliner Zweigstelle mit dem alten Namenskürzel BHI (für Bank für Handel und Industrie) betrieben.Im Gegensatz zu den Schweizer Banken gebe es keine nachrichtenlosen Konten aus der Zeit des Dritten Reichs, man verfüge über keine Werte jüdischer Kunden mehr.Die Bank hatte erklärt, daß Vermögenswerte verfolgter Personen zurückgegeben und Guthaben den Berechtigten zur Verfügung gestellt wurden. Heute ist Berlin immer noch die größte von bislang 16 Niederlassungen der Dresdner Bank, die im Zuge einer Umstrukturierung in acht Regionalverbände eingeteilt wurden.Berlin fungiert als einzige Niederlassung ­ übrigens mit Sitz im City Carre am Hauptbahnhof ­ gleichzeitig als Regionalverbund Nord/Ost.Das Arbeitsgebiet reicht von Cottbus bis Rügen; in insgesamt 150 Filialen arbeiten 3500 Mitarbeiter.Die Zuwachsraten im Ertrag seien fast noch besser als im Konzern, sagte Richter, der in der fünfköpfigen Niederlassungsleitung für das Privatkundengeschäft zuständig ist. Als verwunderlich empfindet es der 43jährige Banker, der vor drei Jahren von der Zentrale in Frankfurt nach Berlin wechselte, daß laut Erhebung der Landeszentralbank etwa 100 Mrd.DM in Berlin ­ samt Speckgürtel ­ auf Sparbüchern oder vergleichbar niedrigverzinslichen Anlageformen geparkt seien.Das Anlageverhalten etwa in den USA sei grundsätzlich anders.So würden dort etwa erhebliche Mittel in Investmentfonds fließen, die bis zu 20prozentige Renditen abwerfen könnten. Das gute Börsenklima führt Richter auf die hervorragenden Unternehmensdaten, das international niedrige Zinsniveau und den günstigen Dollarkurs zurück.Es sei dennoch unabdingbar, die Voraussetzungen für mehr wirtschaftliche Dynamik zu schafen.Mit Blick auch auf die Berliner Börse erklärte Richter: "Die elektronische Entwicklung bedeutet weitgehend das Ende für die Präsenzbörsen."

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