Wirtschaft : „Wir fühlen uns überrollt“

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Herr Steinhardt, die Allianz streicht in Berlin per saldo nur 170 Stellen. Bei der Dresdner Bank kommen weitere hinzu. Haben die Beschäftigten Glück gehabt?

Wir arbeiten am Standort Berlin schon sehr produktiv, deshalb sieht der Stellenabbau auf den ersten Blick nicht dramatisch aus. Auf den zweiten Blick erkennt man, dass auch hier kein Stein auf dem anderen bleibt. Es werden bei der Sachversicherung in Berlin bis 2008 schätzungsweise 350 bis 400 Sachbearbeiterjobs abgebaut. Unser Betriebsmodell und die Arbeitsabläufe werden sich massiv ändern.

Mit welchen Konsequenzen?

Da in Berlin künftig das zentrale Postzentrum der Allianz-Gruppe sein soll, dürften etwa 200 bisherige Sachbearbeiter dort Arbeit finden. Insgesamt wird es in Berlin in Zukunft schlechter bezahlte Jobs mit geringerer Qualifikation geben.

Verdi hat Warnstreiks angekündigt. Werden Sie sich beteiligen?

Wir werden uns bundesweiten Aktionen sicher nicht verweigern. Was meinen Sie, was in Köln los ist, wo der gesamte Standort geschlossen werden soll!?

Sind Sie als Aufsichtsrat über das Ausmaß des Stellenabbaus informiert worden?

Nein. Wir fühlen uns überrollt. Die Arbeitnehmervertreter haben den Vorstand mehrfach aufgefordert, vor einer Veröffentlichung über die detaillierten Pläne zu informieren. Es ist völlig unverständlich, warum dies nicht geschehen ist.

Werden die Kunden die Umstrukturierung zu spüren bekommen?

Angeblich geschieht dies alles, um den Service zu verbessern und näher am Kunden sein zu können. Ich habe den Eindruck, dass das Argument nur ein Mittel zum Zweck ist, um die Kosten weiter zu drücken. Ob dies ohne Reibungsverluste bei den Kunden abgeht, wird sich zeigen.

Hat die Allianz ein Kostenproblem?

Im Gegenteil. Die Schaden-Kosten- Quote ist herzallerliebst.

Lutz Steinhardt

ist Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats und Mitglied des

Aufsichtsrats der

Allianz Versicherungs-AG. Mit ihm sprach Henrik

Mortsiefer.

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