Wirtschaft : "Wir geben unseren Kostenvorteil an die Anleger weiter"

Immer häufiger klagen Anleger, daß sie für ihr Erspartes eine zu geringe Rendite bekommen.Die 1994 gegründete Bank für kleine und mittlere Unternehmen (BkmU) in Berlin, die sich innovativer wie ökologischer Vorhaben widmet und Firmen bei der Eigenfinanzierung hilft, wirbt mit Konditionen oberhalb des Marktniveaus um frisches Anlagekapital.Mit der Vorstandschefin Marlene Kück sprach Peter Bolm.

TAGESSPIEGEL: In Deutschland herrscht eine Art Anlagenotstand.Die Aktienmärkte beinhalten große Risiken, festverzinsliche Papier bringen wenig Geld.Ihr Haus bietet Inhaberschuldverschreibungen bis zu 7 Prozent p.a..Kann sich das noch junge Institut diese Großzügigkeit leisten?

KÜCK: Ja! Dies hängt einmal mit unserer Rolle als Geschäftsbank zusammen, die sehr stark im Aktivgeschäft engagiert ist und keine "Passivüberhänge", wie andere Banken, bildet.Alle hereingenommenen Mittel werden für Ausleihungen verwendet und nicht auf Interbankkonten "geparkt".Dadurch entstehen für uns keine Ertragsverluste.

TAGESSPIEGEL: Wie sieht es bei den Kosten aus?

KÜCK: Aufgrund ihres spezialisierten Geschäftsbetriebes verfügt die BkmU über eine günstigere Kostensituation als ihre Mitbewerber.Der Betriebsaufwand liegt bei 1,13 Prozent der Bilanzsumme; bei traditionellen Instituten bei 2,72 Prozent.

TAGESSPIEGEL: Bankschuldverschreibungen sind nicht Teil der Einlagensicherung.Ist das Risiko nicht zu hoch?

KÜCK: Ganz im Gegenteil.Unsere Bankschuldverschreibungen sind vornehmlich durch erstrangige Grundpfandrechte abgesichert.Die übrigen Kreditinistitute erfüllen in der Regel dieses Qualitätsmerkmal nicht.

TAGESSPIEGEL: Ihre Kreditnehmer sind kleine und mittlere Firmen.Müssen Sie nicht befürchten, daß bei zunehmenden Konkursen die Ausfälle für Ihr Haus bedrohlich werden könnten?

KÜCK: Die BkmU ist nicht von übermäßigen Ausfällen betroffen.Der Grund: Sieht man von den Anfängen ab, wurden von uns keine Existenzgründungen und keine Kleinstunternehmen finanziert.Die BkmU wendet sich dagegen an bestehende mittlere Unternehmen aus dem verarbeitenden Sektor und dem Dienstleistungsbereich mit einer stabilen Marktposition.

TAGESSPIEGEL: Für Mitte 1998 haben Sie den Einstieg in das Einlagengeschäft angekündigt.

KÜCK: Ab August bietet die BkmU folgende Produkte an: Ein Festgeld mit einer Laufzeit von 6 oder 12 Monaten.Die Zinssätze liegen hier bei 3,75 Prozent und 4 Prozent.Ein Sparkonto mit einer Laufzeit von 3 oder 5 Jahren und Zinssätzen von 5 Prozent oder 5,75 Prozent.

TAGESSPIEGEL: Hält die Konkurrenz nicht ähnliche Angebote bereit?

KÜCK: Unsere Produkte sind attraktiver.Die Zinsen liegen 1 Prozent bis 1,5 Prozent oberhalb des Marktes.

TAGESSPIEGEL: Ihr Institut ist rechtlich eine AG.Wann gehen Sie an die Börse, und mit welchen Renditeerwartungen kann sich der Anleger beteiligen?

KÜCK: Unsere Überlegungen zu einem Going-Public sind noch nicht abgeschlossen.Dennoch kann der Anleger jetzt schon Bankaktien erwerben.Die Bruttodividende betrug bisher 6,5 Prozent.Der Kurs der Aktie hat sich in den letzten Jahren von 50 DM auf aktuell 89 DM erhöht.

TAGESSPIEGEL: Mit welchen Kosten müssen Ihre Kunden rechnen?

KÜCK: Wir erheben keine besonderen Entgelte etwa für Kontoführung oder für die Ausstellung von Freistellungsbescheinigungen.

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