Wirtschaft : „Wir haben nichts gegen ein Rauchverbot“

Gerrit de Bruin, Deutschland-Chef des Zigarettenherstellers Philip Morris, über Nichtraucherzonen und andere Alternativen

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Herr de Bruin, rauchen Sie noch?

Ja, ich rauche noch.

Schon mal versucht aufzuhören?

Ja, habe ich schon mal gemacht. Ist mir auch schon ein paar Mal gelungen. Aber am Ende: Es schmeckt immer noch gut.

Bundesverbraucherminister Horst Seehofer fordert ein Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden und Restaurants. Was halten Sie von der Idee?

Ich finde, dass Nichtraucher geschützt werden sollten und das im Prinzip überall dort, wo man hingehen muss. Wir hätten daher nichts dagegen, wenn in öffentlichen Gebäuden ein Rauchverbot gelten würde.

Aber?

Bei einem Rauchverbot in Gaststätten und Restaurants sollte es möglich sein, dass die, die gern rauchen möchten, dazu auch die Möglichkeit haben, entweder in getrennten Bereichen oder sogar in separaten Räumen. Am Ende sollen die Geschäftsinhaber bei Regelungen die Flexibilität haben, sowohl Raucher als auch Nichtraucher willkommen zu heißen.

Die Erfahrung in Italien und Irland zeigt, dass der Umsatz der Restaurants nicht zurückgeht, wenn es ein Rauchverbot gibt.

Ich weiß nicht, wie die Situation in Italien oder Irland wirklich ist. Da werden Zahlen genannt, die ich nicht beurteilen kann.

Studien zufolge ist Passivrauchen schädlich. Demnach können auch Ventilatoren und Klimaanlagen nicht vor Feinstaub-Partikeln schützen. Sind getrennte Bereiche nicht inkonsequent?

Ich finde, dass Nichtraucher vor Passivrauch geschützt werden sollten. Wir denken dennoch, dass flexible Regelungen in Gaststätten Sinn machen. Ein getrennter Bereich sollte so ausgerüstet sein, dass der Nichtraucher in Gaststätten nicht belästigt wird von dem Rauch eines Rauchers.

Rechnen Sie damit, dass das Verbot schon 2007 kommt, wie es der Verbraucherminister angekündigt hat?

Manchmal kommen Gesetze ganz schnell, manchmal brauchen sie ganz lange.

Sie haben also noch Hoffnung, dass das Rauchverbot nicht oder später kommt?

Ich habe die Hoffnung, dass, wenn es ein Gesetz gibt, es ein vernünftiges Gesetz ist. Das heißt, dass nicht einfach ganz schnell entschieden wird nach dem Motto: Wir machen jetzt ein Totalrauchverbot in ganz Deutschland.

Haben Sie Grund zur Sorge?

Unser Absatzvolumen bei Zigaretten sinkt. Das liegt aber nur zum Teil daran, dass die Leute aufhören zu rauchen.

Woran liegt es noch?

Der illegale Zigarettenhandel, also Produktfälschungen und Schmuggel. Studien belegen, dass gut 18 Prozent der in Deutschland konsumierten Zigaretten nicht hier versteuert werden, weil die Produkte im Ausland gekauft, geschmuggelt oder gefälscht wurden.

Was kann man dagegen tun?

Deutschland braucht bessere Kontrollen. Außerdem muss es höhere Strafen für Fälscher geben. Wenn man eine Banknote fälscht, ist die Strafe viel höher, als wenn man das Steuerzeichen einer Zigarette fälscht. Dabei sind Steuerzeichen doch eigentlich auch kleine Banknoten. Eine weitere Maßnahme könnte die Konzessionierung aller an der Tabakwirtschaft Beteiligten sein. Hersteller, Zulieferer, Transporteure, Groß- und Einzelhandel. Die, die sich nicht an Gesetze und Regeln halten, würden ihre Konzession verlieren.

Seit 2002 hat die Bundesregierung die Tabaksteuer fünf Mal erhöht. Seitdem ist das Absatzvolumen von Philip Morris in Deutschland um ein Drittel gesunken. Wie läuft das Geschäft 2006?

Bei Filterzigarillos und beim traditionellen Feinschnitt geht es bergauf. Fabrikzigaretten verlieren dagegen immer noch Volumen, bei ihnen erwarten wir kein großes Wachstum. Am Ende des Jahres hoffen wir auf dem gleichen Niveau wie im letzten Jahr zu sein.

Wovon hängt das ab?

Es gibt vier bis fünf Millionen Raucher von Single-Sticks…

...preisgünstige Steckzigaretten, die bis April steuerlich begünstigt wurden...

...die sich in den nächsten Wochen entscheiden müssen, was sie jetzt machen: Aufhören oder ein anderes Produkt rauchen? Und wenn ja, welches? Es ist aber schwer, vorherzusagen, was der Konsument macht. Ich befürchte, dass viele auf in Deutschland nicht versteuerte Produkte ausweichen werden.

Das klingt fast so, als müssten Sie die Tür in Deutschland bald abschließen?

Nein. Ich habe nicht gesagt, dass es uns schlecht geht. Deutschland ist ein großer Markt mit fast 100 Milliarden Fabrikzigaretten pro Jahr. Hier sind wir Marktführer mit 37 Prozent. Über alle Tabakprodukte hinweg erwarten wir auch ein Wachstum im Marktanteil.

Trotzdem haben Sie gerade angekündigt, das Werk in München mit 400 Mitarbeitern zu schließen.

Ja, das ist sehr bedauerlich, aber leider nicht zu vermeiden. Obwohl alles in allem unser Marktanteil in einem schwierigen Marktumfeld steigt, geht das Volumen für die Fabrikzigarette runter. Wir haben dort in den letzten Jahren ein Drittel des Absatzes verloren und haben daher eine Überkapazität von circa 30 Prozent in unseren drei Werken. Darum beabsichtigen wir 2009 das Werk München zu schließen. Wir haben nicht genügend Produktionsvolumen für alle Werke.

Die Bundesregierung hat beschlossen, die Mehrwertsteuer zu erhöhen. Werden Zigaretten ab 2007 noch teurer?

Normalerweise muss eine Mehrwertsteuererhöhung von den Konsumenten bezahlt werden. Aber wir müssen uns in diesem Markt danach richten, was erträglich ist und was nicht. Preiserhöhungen sind aber nicht ausgeschlossen. Wir sind gerade dabei, zu kalkulieren.

Auch aus Brüssel droht Gefahr. Es sieht so aus, als würde der EU-Gerichtshof Deutschland zwingen, die Tabakwerbe-Richtlinie umzusetzen. Werden Sie bald nicht mehr für Marlboro werben dürfen?

Ich glaube, dass es ein Tabakwerbeverbot in Deutschland geben wird. Wann, weiß ich nicht. Und wie es aussehen wird, das werden wir dann sehen. Ich hoffe aber, dass es etwas klarer sein wird, als das, was im Entwurf vorliegt. Das wirft nämlich mehr Fragen auf als es Antworten gibt.

Wie soll ein Werbeverbot denn Ihrer Meinung nach aussehen?

Ich wünsche mir, dass es klare und eindeutige Regeln beinhaltet, bei denen es keine Auslegungsschwierigkeiten gibt und wir auch künftig die Möglichkeit haben, mit unseren erwachsenen Konsumenten zu kommunizieren.

Die Bundesregierung hält strikt an der Altersgrenze von 16 Jahren für den Kauf von Zigaretten fest. Philip Morris plädiert für den Verkauf ab 18. Warum?

Weil das der internationale Standard ist. Diese Grenze liegt auch unserem internen Marketingcode schon lange zugrunde. 18 Jahre wird zum Beispiel bei all unseren Veranstaltungen strikt eingehalten und auch permanent überprüft.

Der Anteil der Jugendlichen, die rauchen, ist von 25 auf 20 Prozent gesunken. Eine gute Nachricht für Sie?

Ja. Wir finden, dass Zigaretten nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen gehören, weil wir nicht wollen, dass sie rauchen.

Fehlen Ihnen aber dann nicht morgen die Kunden?

Ich kann nicht einerseits sagen, dass Jugendliche nicht rauchen sollten, und andererseits dann darüber klagen, dass es weniger Raucher gibt. Wenn das die Realität sein sollte, dann werden wir damit klarkommen und uns bemühen, in dem Markt der erwachsenen Raucher, den es auch weiterhin geben wird, unseren Anteil zu optimieren.

Und wie?

Durch die Qualität unserer Produkte und durch neue Produkte.

Was für neue Produkte?

Philip Morris forscht umfangreich, um eine möglicherweise risikoreduzierte Zigarette zu entwickeln. In der Schweiz wird seit ein paar Wochen ein neues Produkt getestet. Vereinfacht gesagt, wird der Tabak nicht mehr verbrannt, sondern erhitzt. Es gibt keine Asche, so gut wie keinen Geruch und weniger Rauch. Eines müssen wir aber sagen: Eine ungefährliche Zigarette wird es nie geben.

Allan Carr, erst Kettenraucher und spätere Autor von Nichtraucherbüchern, hat gerade die Diagnose Lungenkrebs bekommen. Haben Sie manchmal Angst, dass das Rauchen Ihr Leben verkürzen könnte?

Rauchen ist nicht gesund und verursacht ernste und todbringende Krankheiten. Aber am Ende ist es meine eigene Entscheidung, ob ich rauche oder nicht.

Das Gespräch führten Maren Peters und Miriam Schröder.

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