Wirtschaft : "Wir hatten nie eine Chance"

VERA JANSEN (dpa)

Der Betrieb auf der Bremer Vulkan-Werft ist eingestelltVON VERA JANSEN (dpa)

BREMEN.Trauerflore fielen zum symbolischen Ende der Bremer Vulkan Werft vom Bockkran, als um fünf Minuten nach zwölf die noch verbliebenen rund 300 Werftbeschäftigten "ihren" Betrieb am Freitag verließen.Einige hundert Ehemalige und Familienangehörige hatten vor dem Tor auf die "Vulkanesen" gewartet."Wir haben nie eine Chance gehabt oder besser gesagt, wir sollten nie eine Chance haben", erklärte Vulkan-Betriebsrat Klaus Prange.Mit diesem Tag sei das Aus des Schiffbaus besiegelt."Auf dieser Werft wird nie wieder ein Handelsschiff gebaut." Das Aus der Traditionswerft war mit dem Konkurs der Bremer Vulkan Verbund AG im Mai 1996 eingeläutet worden.Damals beschäftigte die Vulkan Werft nach Angaben des Betriebsrates noch 1988 Mitarbeiter.Seit Dezember war bekannt, daß mit der Ablieferung des letzten Containerschiffes die fast 104jährige Geschichte der Werft endet.Am Vortag hatte das Containerschiff "Hansa Constitution" die Werft ohne die traditionellen Feierlichkeiten verlassen.Nach einer Probefahrt soll das 192 Meter lange Schiff am Sonnabend ohne Taufe seinen Eignern übergeben werden.An ihm hatten zuletzt noch einige hundert Männer gearbeitet.Auf deutschen Werften sind insgesamt rund 31 000 Mitarbeiter beschäftigt.1990 waren es noch etwa 62 000 Menschen. Ein ehemaliger "Vulkanese" und langjähriger Vertrauensmann war mit seiner Tochter und einem Kollegen seines neuen Arbeitgebers, den Stahlwerken Bremen, gekommen."Die Leute sind richtiggehend verschaukelt worden.Wir haben alle bis zuletzt Überstunden gekloppt - für was, frage ich mich noch heute", sagte der ehemalige Mitarbeiter.Er schwankt zwischen Trauer und Wut."Wir hätten damals die Costa quer auf die Weser ziehen und besetzen sollen." Das sei damals überlegt worden, aber auch die Gewerkschaft habe gesagt: "Ruhig, ruhig bleiben, weiterarbeiten, dann haben wir die größte Chance".Er habe Glück gehabt, am 1.Januar einen neuen Arbeitsplatz gefunden zu haben, sagte der Betriebselektriker.Er kenne aber viele ehemalige Kollegen in seinem Alter, mitte Dreißig, die arbeitslos sind und große finanzielle Probleme haben.Trotz neuem Arbeitsplatz trauert er um den Vulkan: "19 Jahre kann man nicht einfach so wegstecken." Demonstrativ hängten die Werftarbeiter am Mittag nicht mehr benötigtes Werkzeug an den Nagel."Wir Vulkanesen sind gezwungen worden, unseren Beruf an den Nagel zu hängen", steht über dem Gestell mit Haken für 18 Berufe, darunter Schiffsschlosser, Elektriker und Werftmatrosen.Davor liegen orangefarbene Schutzhelme mit dem großen "V" für Vulkan.Das "V" stehe auch für "Verantwortung, Versprechen, verschlissen worden", erklärte Prange, und Enttäuschung klang in seiner Stimme.Gerade für die älteren Kollegen gebe es keine Möglichkeit, wieder Arbeit zu finden, sehr viele würden in finanzielle Not kommen."Die Arbeit ist für uns zu Ende, das Leben nicht.Es wird weiter gehen.Tschüß."

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