Wirtschaft : „Wir können das wuppen“

Die Commerzbank verbucht einen Rekordgewinn. Einsetzen könnte sie ihn für die Landesbank Berlin

Rolf Obertreis u. Stefan Kaiser

Frankfurt am Main / Berlin - Gestützt von einem neuen Rekordergebnis will die Commerzbank auf jeden Fall in den Bieterstreit um die Landesbank Berlin (LBB) eintreten. „Wir wünschen uns zum Zuge zu kommen. Dann hätten wir in Deutschland ein höheres Gewicht“, sagte Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller bei der Jahrespressekonferenz am Mittwoch in Frankfurt. Der Einstieg würde strategisch passen, müsse aber auch betriebswirtschaftlich Sinn machen, sagte Müller. Ganz so hoch will die Commerzbank also offenbar nicht bieten. Dabei hat die zweitgrößte Bank Deutschlands gerade eine Menge Geld verdient: Der Gewinn nach Steuern erhöhte sich 2006 um 35 Prozent auf knapp 1,6 Milliarden Euro. Und auch für 2007 ist Müller zuversichtlich.

„Die Commerzbank mischt wieder mit. Wir sind wieder da: erfolgreich, gesund, munter und bereit weiter zu wachsen“, sagt der Bank-Chef. Besonders die Geschäfte mit dem Mittelstand sowie am Kapital- und Immobilienmarkt liefen 2006 gut. Die Mittelstandsbank steigerte ihren Betriebsgewinn um ein Drittel auf 817 Millionen Euro, im Kapitalmarktgeschäft ging es sogar um 76 Prozent auf 617 Millionen Euro nach oben, im Immobiliengeschäft um 40 Prozent auf 472 Millionen Euro. Im Privatkundengeschäft lief es dagegen schlecht. Hier verbuchte die Bank einen Verlust von 58 Millionen – im Vorjahr hatte der Bereich noch 231 Millionen Euro Gewinn gemacht. Gründe für den Rückgang seien eine Sonderrisikovorsorge für private Immobilienfinanzierungen und Restrukturierungskosten.

Im Privatkundengeschäft will die Commerzbank künftig besser vorankommen: Bis 2009 sollen rund 400 Millionen Euro in die Ausstattung der bestehenden und in neue Filialen gesteckt werden. Schon 2007 sollen 700 Mitarbeiter aus den Servicebereichen in den Vertrieb wechseln. Bis 2009 will die Commerzbank auf diesem Weg rund 800 000 neue Kunden gewinnen. Im vergangenen Jahr waren bereits 350 000 dazugekommen. Insgesamt hat die Bank derzeit 5,1 Millionen Kunden. Richtig wachsen könnte die Commerzbank im Privatkundengeschäft durch den angestrebten Kauf der LBB. Die zugehörige Berliner Sparkasse würde alleine 1,9 Millionen Kunden mitbringen. Ob ihre Filialen bei einer möglichen Übernahme durch die Commerzbank den Sparkassennamen behalten oder zu Commerzbank-Filialen werden sollen, ist nach den Worten Müllers offen. Klar ist aber offenbar, dass sein Haus den möglichen Kauf alleine stemmen will. „Wir können das wuppen, was wir wuppen wollen. Das heißt aber nicht, dass wir alles wuppen wollen, was andere uns gern wuppen sehen würden“, sagt er in Anspielung auf Gerüchte, die Commerzbank könne die Übernahme nicht aus eigener Kraft finanzieren.

Das Verkaufsverfahren für die LBB läuft seit Mitte Januar. In der ersten Phase haben 19 mögliche Bieter aus dem In- und Ausland offiziell ihr Interesse bekundet. Finanzsenator Thilo Sarrazin, der für den Verkauf der LBB zuständig ist, betonte am Mittwoch bei einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer, man werde „den oder die Käufer“ dazu verpflichten, den Standort Berlin zu erhalten und möglichst viele Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Ob man die Bank an einen Einzelinvestor verkaufen oder die Landesanteile an der Börse platzieren werde, werde sich entscheiden, wenn die Bieter erste indikative Angebote eingereicht hätten. Dies soll nach früheren Informationen Ende März der Fall sein.

Die Hoffnung , dass eine Börsenplatzierung die Eigenständigkeit der Landesbank sichere, teile er allerdings nicht, sagte der Senator. Interessenten könnten sich die notwendigen Mehrheitsanteile auch am Kapitalmarkt besorgen. „Wenn jemand die Landesbank haben will, wird er sie kriegen.“

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