Wirtschaft : "Wir können von einer Trendwende sprechen"

Hannovers Messechef Klaus Goehrmann im InterviewMehr als ein halbes Jahrhundert lang gilt die Hannover-Messe schon als Barometer für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland.Über seinen Stand sprach Hannovers Messechef Klaus Goehrmann mit Vanessa Liertz. TAGESSPIEGEL: Was zeigt das Stimmungsbarometer in Hannover in diesem Jahr an? GOEHRMANN: Es ist nach oben gewandert.Besonders auf dem Exportsektor hat die Aktivität stark zugenommen.Das beobachten wir bei nahezu allen Maschinenbauern und Elektrotechnikern.Zudem sind immer mehr deutsche und ausländische Unternehmen bereit, in unsere Industrie zu investieren. TAGESSPIEGEL: Woran merken Sie das? GOEHRMANN: Die Hannover-Messe ist in gewisser Hinsicht die letzte Entscheidungsinstanz für Unternehmer, wo und wann sie neue Maschinen oder weiteres technisches Know-How kaufen wollen.Viele reden jetzt nicht mehr abstrakt über irgendwelche Projekte, sondern fragen konkret nach dieser oder jener Maschine.Wir sehen mehr Unternehmer, die sich nicht nur orientieren, sondern auch kaufen wollen. TAGESSPIEGEL: Ist das anders als im vergangenen Jahr? GOEHRMANN: Es gibt natürlich zu Messebeginn noch keine Zahlen, aber wenn wir von der Stimmung ausgehen, können wir von einer Trendwende sprechen.Ein positives und sichtbares Signal ist auch, daß mehr innovative Produkte aus Deutschland an den Ständen zu sehen sind, die Unternehmer in der ganzen Welt anbieten. TAGESSPIEGEL: Welche Branchen haben Sie dabei im Sinn? GOEHRMANN: Zum einen hochtechnologische Industriezweige wie die Automatisierung und Robotik.Darüber hinaus aber scheinen Unternehmen im Energie- und Umweltsektor sehr geschäftig zu sein. TAGESSPIEGEL: Wird also auch das Angebot der deutschen Industrie im internationalen Vergleich besser? GOEHRMANN: Ja.Gerade in der Umwelttechnik sind wir wieder führend. TAGESSPIEGEL: Die Hannover-Messe hat viele internationale Gäste.Sind auch sie davon überzeugt, daß es mit Deutschland aufwärts geht? GOEHRMANN: Ich meine ja, denn ob nun der Präsident der Europäischen Kommission, Jacques Santer, auf seinem Rundgang eine Rede hält oder ob sich Staatsgäste aus den Philippinen über Deutschland äußern - überall merkt man: Wir sind auf dem richtigen Weg. TAGESSPIEGEL: Machen Sie diese Beobachtung auch in der mittelständischen Industrie? GOEHRMANN: Sicherlich muß man bedenken, daß die Stimmung an der Hannover-Messe von den großen Konzernen geprägt ist, von Unternehmen wie Mannesmann oder Thyssen.Dennoch trifft das, was ich gesagt habe, auch auf die Mittelständler zu.Ich habe sehr wohl den Eindruck, daß diese sich inzwischen gefangen haben. TAGESSPIEGEL: Der Zahnradhersteller ebenso wie der Heizungsfabrikant? GOEHRMANN: Zumindest tendenziell.Schließlich sind mehr als 80 Prozent der ausstellenden Unternehmen Mittelständler, von denen wiederum viele zur Zulieferindustrie gehören.Und die hat sich auf der Messe höchst optimistisch geäußert.

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