Wirtschaft : „Wir müssen an die alte KraftvonVivaanknüpfen“ MTV-Chefin Mühlemann über das Musikfernsehen

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Frau Mühlemann, Viva kommt endlich nach Berlin. Warum hat sich die Entscheidung so lange hingezogen?

Wir hatten nach der Hauptversammlung im Januar auf eine zeitnahe Eintragung des Beherrschungsvertrages ins Handelsregister gehofft. Wir haben nun Pläne entwickelt, die trotz NichtEintragung durchführbar sind. Im Interesse von Mitarbeitern und Werbekunden haben wir uns zu einer zügigen Kommunikation dieser groben Pläne entschlossen.

Die Viva-Produktionsfirma Brainpool und der Kanal Viva plus bleiben in Köln, sonst hätte Viacom die Kabellizenz in Nordrhein-Westfalen verloren. Wären Sie lieber mit der ganzen Guppe nach Berlin gezogen?

Ich bin ganz offen, das wäre wirtschaftlich die sinnvollere Lösung gewesen. Aber mit unseren Planungen streben wir eine möglichst faire Lösung für alle Betroffenen an.

210 von rund 600 Viva-Mitarbeitern werden entlassen…

Es wird voraussichtlich 120 betriebsbedingte Kündigungen geben, und 90 befristete Verträge laufen aus. Aber dies wird nun in den Verhandlungen mit dem Betriebsrat näher ausgestaltet. Diese Maßnahmen folgern aus Vivas wirtschafticher Zwangslage. Ziel ist es, in Zukunft Synergien zu nutzen und Kosten zu sparen. Wir hoffen, dass wir zügig einen Sozialplan mit dem Betriebsrat aushandeln werden.Und wir machen den Mitarbeitern ein faires Angebot.

MTV hat rund 150 feste und freie Mitarbeiter. Wie viele kommen nun in Berlin mit Viva hinzu?

Ungefähr 80 Viva-Beschäftigte werden einen Arbeitsplatz im Network behalten, davon werden mehr als die Hälfte nach Berlin kommen.

Viva hat 2004 wieder Verlust gemacht und geschätzte 16 Prozent an Werbeeinnahmen verloren. Wann schaffen Sie die Wende, die Viacom fordert?

Viva ist eine wertvolle Marke, die auf dem deutschen Markt vielleicht noch größere Wachstumschancen als MTV hat. Das Problem war, dass Viva seine Strategie immer wieder geändert hat und sich dem Profil von MTV mal mehr, mal weniger angenähert hat. Das müssen wir ändern. Wir werden mit Viva 2005 in die schwarzen Zahlen kommen und den Umsatz um rund 15 Prozent steigern. Der Marktanteil soll von derzeit 1,7 auf zwei Prozent steigen.

Wie soll der Umsatzsprung gelingen?

Wir müssen an die alte Kraft der Marke Viva anknüpfen. Viva traf genau den deutschen Geschmack mit vielen lokalen Gesichtern und Talenten.

Wird Viva eine Plattform für deutsche Musik, die sich ja hervorragend verkauft?

Auf alle Fälle. Natürlich spielt auch MTV deutsche Musik. Aber Viva werden wir hier stärker profilieren. Wir werden in neue Programme investieren; der Sender wird nicht mehr um die gleichen Zuschauergruppen wie MTV kämpfen.

Der neue Musikkonzern wird vier Musikkanäle haben. Experten sagen, vier Sender sind auf dem kleinen Markt zu viel.

Das sehe ich nicht so. Wir werden die Profile schärfen und prüfen, ob wir bei den kleinen Sendern neben der Musik auch andere Programme ausbauen können. Viva plus könnte eher interaktives Fernsehen bieten, MTV plus wäre eher ein Familienkanal. MTV funktioniert gut, hier gibt es keinen Handlungsbedarf. Da wir uns jetzt nicht mehr Konkurrenz machen, können wir mit MTV etwas mutiger werden.

Das Interview führte Henrik Mortsiefer

Catherine Mühlemann ist die deutsche Geschäftsführerin des Musiksenders MTV, der dem US-Konzern Viacom gehört. Er kaufte 2004 den Konkurrenten Viva für

310 Millionen Euro.

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