Wirtschaft : „Wir müssen die Firmen stärker in den Wettbewerb zwingen“

Der Einkäufer des Bundes über Vorschriften und Sparzwänge

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Herr Egeler, für das Innenministerium geben Sie mehr als 420 Millionen Euro im Jahr aus. Können Sie noch sparen?

Wir sind der drittgrößte staatliche Kunde – nach der Bundeswehr und der Bundesanstalt für Arbeit. Wir müssen sparen, weil wir einen Automatismus eingebaut haben: Der Bund spart jedes Jahr 1,5 Prozent der Stellen in den Behörden ein. Das bedeutet für unser Amt jedes Jahr drei bis vier Mitarbeiter weniger. Das hält uns beim Sparen von selbst auf Trab. Wir brauchen immer mehr Fantasie, wie wir mit weniger Personal unseren Betrieb aufrecht erhalten können.

Ihre Behörde beschäftigt 220 Einkäufer. Kritiker sagen, 50 würden ausreichen.

Wir schließen jedes Jahr 2000 Verträge mit Unternehmen ab. Das würden 50 Mitarbeiter nie schaffen. Außerdem reden wir vom öffentlichen Einkauf. Als Auftraggeber haben wir eine andere Verpflichtung als die freie Wirtschaft. Wir müssen uns an formale Verfahren und Vorschriften, etwa die Vergabeverordnung, halten.

Machen die Gesetze den öffentlichen Einkauf ineffizient?

Effizienz kann ich nur innerhalb unseres Regelwerks definieren. Das heißt nicht, dass wir unsere Ressourcen nicht optimieren. Aber wir können nicht so einkaufen wie die freie Wirtschaft.

Weniger Gesetze wären also besser?

Der Gesetzgeber ist gerade dabei, das Regelwerk schlanker zu machen. Sowohl die EUVorschriften als auch das nationale Vergaberecht werden reformiert. Ich denke, Ende des Jahres sollten konkrete Vorschläge auf dem Tisch liegen, wie die öffentliche Hand künftig bei gleicher Qualität preiswerter einkaufen kann.

Zum Beispiel?

Es gibt noch eine Menge Möglichkeiten, um den öffentlichen Einkauf zu optimieren. Zum Beispiel durch so genannte „umgekehrte Auktionen“, die noch zu selten genutzt werden. Dabei stellt der Auftraggeber eine Anfrage ins Internet, und die Lieferanten können sich gegenseitig unterbieten. Am Ende erhält der preiswerteste Anbieter den Zuschlag. Wir müssen die Unternehmen noch stärker als bisher in den Wettbewerb zwingen, um bessere Preise und Konditionen herauszuholen.

Es scheint, als hätten viele Behörden das Internet abgeschaltet.

Das trifft auf das Beschaffungsamt des Bundes nicht zu. Wir unterstützen das Projekt „Bund online 2005“, das alle internetfähigen Dienstleistungen des Bundes ans Netz bringen soll, indem wir den öffentlichen Beschaffungsprozess elektronisch machen. Und damit sind wir fertig. Wir haben eine virtuellen Marktplatz, eine elektronische Vergabeplattform, und die internen Arbeitsabläufe sind digitalisiert. Die Systeme beim Bund laufen. Jetzt sollten es die einzelnen Bundesländer ebenfalls anwenden, damit nicht jeder Einkäufer das Rad neu erfindet.

Das Interview führte Henrik Mortsiefer

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