Wirtschaft : "Wir müssen es anpacken"

TAGESSPIEGEL: Herr Stonecipher, im Gegensatz zu Ihrem europäischen Konkurrenten Airbus setzt Boeing noch in vielen Bereichen auf Handarbeit.Warum?

STONECIPHER: Wir haben phantastische Flugzeuge, die digital entwickelt wurden.Aber diese Technologie haben wir bisher nicht in den Fertigungsprozeß übertragen können.Dafür ist es höchste Zeit - zumal eine Menge unserer Qualitäts- und Lieferprobleme des vergangenen Jahres damit zusammenhängen.Bei uns gibt es noch zu viele Löcher, die per Hand gebohrt werden.Die Fertigungsprozesse bei Airbus sind schließlich keine Zauberei.Man muß es nur anpacken, und das ist die Aufgabe, vor der wir stehen.Ziel ist, unsere Produktivität um jährlich etwa fünf Prozent zu steigern.

TAGESSPIEGEL: Sie wollen bis zu 46 000 Beschäftigte feuern, es gibt bereits Gerüchte über drohende Streiks.Was tun Sie, um das zu verhindern?

STONECIPHER: Die Frage ist nicht, warum wir so viele Leute entlassen, sondern warum wir so viele Leute eingestellt haben, zum Beispiel nach dem Zusammenschluß mit McDonnell Douglas noch einmal 34 000.Wir haben gedacht, wenn wir Mitarbeiter und Geld einsetzen, können wir unsere Probleme lösen, und den Auftragsstau bewältigen.Diese Strategie hat sich nicht ausgezahlt.Aber wir stehen in Kontakt zu den Gewerkschaften.Es würde mich sehr wundern, wenn wir keinen Weg fänden, ohne Streik weiterzukommen.Ein Ausstand würde unsere Produktion erneut unterbrechen.

TAGESSPIEGEL: Die Produktionsprobleme haben nicht nur Boeing Schwierigkeiten gebracht, sondern Airbus Marketingargumente geliefert.Ist die europäische Konkurrenz wichtiger geworden?

STONECIPHER: Airbus ist uns immer ein ernster Konkurrent gewesen.Wenn ein Wettbewerber deine Schwäche sieht und sie nutzt, dann funktioniert der Markt.Ich habe unseren Leuten erklärt, daß nicht Airbus schuld an unseren Problemen ist, sondern wir selbst.Unsere Schwierigkeiten sind hausgemacht und wir müssen sie hausintern beseitigen.Dann sind wir auch wieder in der Lage, Airbus Paroli zu bieten.

TAGESSPIEGEL: Die Übernahme des Rüstungsunternehmens GEC Marconi durch British Aerospace hat die erwartete Fusion der britischen Flugzeugbauer mit DaimlerChrysler Aerospace in weite Ferne gerückt.Was bedeutet das für Boeing?

STONECIPHER: Nicht viel, ehrlich gesagt.Mich hat nicht die Fusion überrascht, obwohl auch ich gedacht hätte, DaimlerChrysler Aerospace und die Briten würden zusammengehen.Überrascht hat mich der Preis, den ich für viel zu hoch halte.Soviel, wie British Aerospace gezahlt hat, hätten wir für GEC Marconi nicht ausgegeben.Manchmal ist eben nicht die Kaufsumme entscheidend, sondern der Marktzugang und die Produktstrategie.

Mit Harry C.Stonecipher sprach Rainer W.During

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