Wirtschaft : "Wir sind auch allein überlebensfähig"

Dennoch hat die Salzgitter AG ein Auge auf die ostdeutsche Eko Stahl geworfen

TAGESSPIEGEL: Herr Selenz, der Verkauf Ihres Unternehmes war ein Politikum: Um im niedersächsischen Wahlkampf eine Schlappe zu vermeiden, hat Gerhard Schröder das Unternehmen kurzerhand selbst gekauft und ein paar Monate später an die Börse gebracht.Wie dankbar sind sie Ihrem Ministerpräsidenten?

SELENZ: Das klingt nun aber sehr nach Gutsherrenart.Und so läuft das in Niedersachsen nicht.Ziel des Ministerpräsidenten war, das Unternehmen so schnell wie möglich an die Börse zu bringen.Das ist mit großem Erfolg geschehen.Herr Schröder ist aus meiner Sicht ein guter Politikmanager, aber weder der Ministerpräsident noch das Land nehmen Einfluß auf unsere Geschäftspolitik.

TAGESSPIEGEL: Sind Sie Mitglied der SPD?

SELENZ: Auf die Gefahr, daß es Sie überrascht: Nein.

TAGESSPIEGEL: Schröder hat mit der Rettung von Arbeitsplätzen argumentiert.Kritiker sprachen allerdings von einer Nacht-und Nebel-Aktion.Werden Arbeitsplätze gesichert?

SELENZ: Das war keine Nacht- und Nebel-Aktion, sondern entsprang der wohl durchdachten Überlegung, die Unternehmens-Zentrale im Land zu halten.Als Filiale eines ausländischen Investors wird ein Unternehmen zur verlängerten Werkbank.Dies kostet langfristig mit Sicherheit Arbeitsplätze und auch Know-how.Die Unternehmensberatungsfirma McKinsey hat uns eine dauerhafte "stand-alone-Fähigkeit" bescheinigt - in einer Studie , die nicht etwa wir, sondern unsere frühere Muttergesellschaft, die Preussag AG in Auftrag gegeben hat.

TAGESSPIEGEL: Das Tempo, mit dem der Verkauf übers Knie gebrochen wurde, hat viele verwundert.Hat sich die Preussag deshalb so beeilt, weil sie Geld für die Übernahme des Hapag Lloyd-Konzerns brauchte?

SELENZ: Hintergrund des Verkaufs der Preussag Stahl AG war die strategische Überlegung, die Konzernaktivitäten neu zu ordnen.Ob der Tourismus bringt, was der Stahl gebracht hat, muß sich zeigen: Wir haben in den vergangenen zehn Jahren hervorragend verdient, im Schnitt pro Jahr 170 Mill.DM vor Steuern.Und wir haben Jahr für Jahr 100 Mill.DM nach Hannover überwiesen.

TAGESSPIEGEL: Warum hat die Preussag dann ihre Cash-cow verkauft?

SELENZ: Palmen, Sandstrand und Sonne haben dem Preussag-Vorstand besser gefallen als das Stahlgeschäft.

TAGESSPIEGEL: Sie wollen Eko in Eisenhüttenstadt kaufen.Warum?

SELENZ: Eko würde gut zu uns passen, ist ein hervorragendes Werk und liegt uns auch geographisch nahe.Wir haben aber auch gesagt, daß wir Eko alleine, und nicht Cockerill kaufen wollen.

TAGESSPIEGEL: Was reizt Sie denn an dem ehemaligen Treuhand-Ladenhüter?

SELENZ: Wir haben schon zu DDR-Zeiten mit Eko zusammengearbeitet und verarbeiten heute noch Produkte aus Eisenhüttenstadt.In den letzten Jahren wurden über eine Mrd.Mark in das Werk investiert - bei Eko wird heute ein hervorragender Stahl produziert.

TAGESSPIEGEL: Gibt es einen Fahrplan?

SELENZ: Die Erklärungsfrist ist bis zum 3.September verlängert worden.

TAGESSPIEGEL:Wieviel wollen Sie zahlen?

SELENZ: Ich habe bisher keine Chance gehabt in die Bücher zu schauen.Deshalb kann ich es Ihnen beim besten Willen nicht sagen, was wir bezahlen würden.

TAGESSPIEGEL: Ihr Unternehmen wurde für eine Milliarde DM von Schröder übernommen.Wie sind denn im Größenvergleich die Relationen zu Eko?

SELENZ:Eisenhüttenstadt hat etwa 2600 bis 2700 Mitarbeiter, von der Kapazität ist das Werk ungefähr halb so groß wie Salzgitter.

TAGESSPIEGEL: Wieviele Mitarbeiter braucht Eko, um die Produktivität von Salzgitter zu erreichen?

SELENZ: Eko hat eine hohe Produktivität.Es hat alle Chancen, bei einer vernünftigen Konjunkturlage auch entsprechend gute schwarze Zahlen schreiben zu können.

TAGESSPIEGEL: Wie sehen Sie die Zukunft von Eko?

SELENZ: Ich glaube schon, daß Eisenhüttenstadt auf einem guten Wege ist, aber Eko hat noch Produktionsbeschränkungen.Und es sind noch strategische Weiterentwicklungen im Unternehmen notwendig.Dazu gehört Geld.

TAGESSPIEGEL: Was passiert, wenn die Stahlkonjuktur einmal schlechter läuft?

SELENZ: Unsere Werke machen ganz unterschiedliche Produkte.Wir haben ganz bewußt eine Risikostreuung vorgenommwen. TAGESSPIEGEL: Sie fürchten also keinen Konjunktureinbruch?

SELENZ: Wir merken die Auswirkungen der Asienkrise.Es kommen Mengen aus Korea aus Thailand aus Taiwan.Auf der anderen Seite aber hat sich auch der Stahlverbrauch in Europa in diesem Jahr um drei bis vier Prozent erhöht.Der Maschinenbau läuft hervorragend, die Bauindustrie kommt langsam in Schwung.Wir haben außerdem ein Ergebnis-Verbesserungsprogramm gestartet.

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