Wirtschaft : „Wir sind ein Gegenmittel“

Foto: promo
Foto: promoFoto: ©Kai Bublitz

Herr Gries, es ist jetzt elf Uhr vormittags. Haben Sie heute schon Cola getrunken?

Ich habe gerade ein Glas Coca-Cola vor mir stehen, es ist mein drittes. Ich trinke etwa sechs pro Tag.

Wie steht es um Ihren Body-Mass-Index?

Keine Sorge, mein BMI ist immer noch da, wo er sein soll. Allerdings trinke ich auch häufig Coke Zero, ohne Zucker.

Warum trinken die Menschen Coca-Cola, wegen des Namens oder wegen des Geschmacks?

Unser Erfolg liegt im Gesamtauftritt. Die Verpackung, das Visuelle, das Haptische, und natürlich geht es auch um den Geschmack. Vor allem schafft es Coca-Cola, seit 125 Jahren den Zeitgeist aufzuspüren. In den 60er Jahren stand Coca-Cola für Freiheit, in den 70ern war Toleranz das Thema. Heute ist unser Motto Lebensfreude. Es gibt viel Schlechtes in der Welt, wir sind ein Gegenmittel.

Man kann den Zeitgeist auch anders interpretieren: Die Menschen fordern Nachhaltigkeit, Umweltschutz und soziale Verantwortung. Ist das Image eines globalen Großkonzerns da nicht eher hinderlich?

Überhaupt nicht. Nachhaltigkeit spielt bei uns eine große Rolle, nicht als Werbeslogan, sondern weil Nachhaltigkeit die Lizenz zum Wirtschaften ist. Bei unserer Wassermarke Vio werden wir dieses Jahr eine neue Plastikflasche einführen, die aus nachwachsenden und wiederverwertbaren Rohstoffen hergestellt wird, nicht aus Erdöl. Auch beim Thema Mehrweg sind wir Vorreiter. 70 Prozent unserer Flaschen sind Mehrweg-Flaschen, im Gesamtmarkt liegt der Mehrweganteil nur bei etwa 30 Prozent.

In den Szenebars in Berlin-Mitte werden trotzdem immer öfter kleine, regionale Cola-Marken anstelle von Coca-Cola verkauft. Macht Ihnen das keine Angst?

Nein. Sicher gibt es kleine Brennpunkte, da arbeiten wir dran. Aber das ist nicht die Mehrheit der Kunden. Coca-Cola ist auch eine regionale Marke. Die Coca-Cola, die Sie in Berlin trinken, wird in Berlin hergestellt. Wir haben 24 Fabriken und über 10 000 Mitarbeiter in Deutschland. Viele andere Marken können das nicht von sich behaupten. Auch das Marketing wird dezentral gesteuert, ausschließlich globale Kampagnen funktionieren nicht mehr.

Was unterscheidet den deutschen Cola-Trinker vom Rest der Welt? 

Wir sind ernster eingestellt. In China streben die Menschen gerade nach Wachstum, nach dem Aufstieg in die erste Welt. In Deutschland beherrschen zurzeit die schlechten Nachrichten das Bild, Kriege und Katastrophen. Dem setzen wir einen neuen Werbeslogan entgegen: Das Glas ist halb voll, nicht halb leer.

Sie machen mehr als 50 Prozent Ihres Umsatzes mit Coca-Cola. Wann sind die Grenzen des Wachstums erreicht?  

Jeder siebte Haushalt in Deutschland kauft wenigstens einmal im Monat Coca- Cola. Bei 85 Prozent ist das also noch nicht so. Das ist Wachstumspotenzial.

Thomas Gries

ist seit 2009

Marketingdirektor

für alle

Getränkemarken

von Coca-Cola

Deutschland.

Mit ihm sprach

Miriam Schröder

0 Kommentare

Neuester Kommentar