Wirtschaft : „Wir sind stark verbunden“

-

Herr Mangold, Sie haben gesagt, die deutsche Wirtschaft sei „verwöhnt durch die enge Beziehung Schröder/Putin“. Was bringt die Partnerschaft Merkel/Putin?

Eine Männerfreundschaft kann es ja nun nicht mehr geben. Wir werden aber weiterhin eine hohe Qualität der deutsch- russischen Beziehungen haben. Deutschland muss eine besondere Rolle gegenüber Russland einnehmen, weil wir historisch eine Verpflichtung gegenüber Russland haben. Und weil wir sehr stark wirtschaftlich verbunden sind. Immerhin arbeiten in Russland über 4000 deutsche Firmen mit Niederlassungen.

Was lehrt uns der Gasstreit mit der Ukraine?

Das wäre vermeidbar gewesen, wenn man die Angelegenheit nicht von vornherein politisch belastet hätte. Aber auch die Ukrainer tragen Verantwortung, denn in ihrem Teil des Pipelinenetzes ist über Jahre hinweg doch ein erhebliches Gasvolumen verschwunden und das Preisniveau war bisher weit unter Weltmarktgegebenheiten. Alles in allem muss in Energiefragen das Dreieck aus Russland, Ukraine und Deutschland funktionieren.

Die Ostseepipeline – an der Ukraine vorbei – spricht gegen ein Dreieck.

Überhaupt nicht. Ich bin ein leidenschaftlicher Befürworter der Ostseepipeline, weil sie Risiken für uns minimiert. Aber wir werden immer auch eine Pipeline durch die Ukraine brauchen.

Sind wir nicht längst zu abhängig geworden von russischer Energie?

Es geht doch nicht um Abhängigkeit, sondern um eine strategische Partnerschaft. Auch in Russland gibt es viele Unternehmen, bei denen deutsche Firmen einen hohen Lieferanteil haben. Da spricht auch keiner von Abhängigkeit. Es gibt einen enormen technologischen Rückstand und damit große Chancen für uns.

Wir helfen beim Aufholen?

Ja. Die deutschen Exporte werden in diesem Jahr wieder um gut 15 Prozent steigen, weil wir bei der Modernisierung ein ganz wichtiger Partner sind. Und mit dem absehbaren Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO wird der Modernisierungsdruck noch größer.

Welchen Rat geben Sie Frau Merkel?

Erstens die lebendige Ausgestaltung unserer Partnerschaft im Energiebereich. Zweitens die Unterstützung der deutschen Investitionen und des deutsch-russischen Handels und drittens die neue Qualität der Beziehungen der EU und Russlands. Russland muss noch viel näher an Europa herangeführt werden.

Trotz der Demokratiedefizite?

Ja. Über Pressefreiheit und Menschenrechte muss man mit allen Partnern auf der Welt immer reden. Wir müssen aber auch Geduld haben und Russland fair behandeln.Seit 1990 hat sich dramatisch viel verändert und verbessert.

Klaus Mangold

ist Chef des Ost-Ausschusses, der sich als Sprachrohr der deutschen Wirtschaft in Osteuropa versteht. Mit dem früheren Daimler-Manager sprach Alfons Frese.

0 Kommentare

Neuester Kommentar