Wirtschaft : "Wir spekulieren nicht gegen die Kunden"

Seit Sommer 1998 bietet auch das Privatbankhaus Sal.Oppenheim jr.& Cie.KGaA hochverzinliche Aktienanleihen an.Anleger werden mit Zinssätzen von zehn, elf und mehr Prozent gelockt.In großflächigen Zeitungsanzeigen wirbt die Bank in diesen Tagen für ihr jüngstes und offensichtlich sehr beachtetes Produkt.Welchen Vorteil bietet das Geschäft und welche Risiken birgt es? Mit dem zuständigen Leiter der Konsortialabteilung in Frankfurt (Main), Dr.Wolfgang Gerhardt, sprach Martina Ohm.

TAGESSPIEGEL: Herr Gerhardt, das Bankhaus Oppenheim wirbt für Anleihen mit optisch eindrucksvollen Zinsen - etwa 13 Prozent für eine DaimlerChrysler-Aktienanleihe oder elf Prozent für eine BASF-Aktienanleihe.Haben Sie Geld zu verschenken?

GERHARDT: Natürlich nicht.Aber es gibt eine enorme Nachfrage nach Produkten mit hohen Zinsen.Die drei Prozent, die es für Festverzinsliche im Schnitt zur Zeit gibt, sind ja nicht gerade viel.

TAGESSPIEGEL: Wie sicher ist eine Aktienanleihe?

GERHARDT: Grundsätzlich muß der Anleger bei einer Verzinsung von deutlich über drei Prozent wissen, daß ein Risiko dabei ist.Auch Aktienanleihen weisen ein höheres Risiko auf.

TAGESSPIEGEL: Wie hoch ist dieses Risiko?

GERHARDT: Die Aktienanleihe wird am Ende der Laufzeit nicht in jedem Fall zum Nominalwert zurückgezahlt, sondern, wenn die Aktiennotierung unter einen bestimmten Kurs sinkt, in Aktien.Unsere Bank bietet beispielsweise eine BASF-Aktienanleihen zu elf Prozent mit einer Laufzeit bis Mitte Dezember 1999 an.Der Anleger bekommt 170 BASF-Aktien zurück, wenn die Notierung von BASF unter 29,41 Euro rutscht.Derzeit schwankt der Kurs um 32 Euro.Übersteigt der Kurs am Ende der Laufzeit 29,41 Euro, bekommt der Anleger die Anleihe zum Nominalwert, das entspricht einem Kaptialbetrag von 5000 Euro, zurück.Die Verzinsung von 11 Prozent erhält er in jedem Fall.

TAGESSPIEGEL: Wie beurteilen Sie denn die Kursaussichten von BASF?

GERHARDT: Das ist nicht unser Thema, der Anleger muß sich selbst überlegen, wie er den Titel bewertet.Wir bieten übrigens solche Anleihen auf 17 verschiedne Aktien an.Wer erwartet, daß die Börse eher seitwärts tendiert oder leicht steigt, der wird mit einer Aktienanleihe wenig falsch machen.

TAGESSPIEGEL: Banken verschenken nichts.Welche Vorteile haben sie?

GERHARDT: Das Geschäft mit Aktienanleihen ist für uns ein zusätzliches Geschäft.Wir sichern das Risiko aus den Anleiehn selbst wieder im Markt ab.Und an diesen Transaktionen verdienen wir.

TAGESSPIEGEL: Wo liegt das Risiko?

GERHARDT: Um es aber klipp und klar zu sagen: Wir spekulieren nicht gegen die Kundschaft.

TAGESSPIEGEL: Aber Sie müssen die Anleger aufklären.

GERHARDT: Ja, die Anleger, die über ihre Hausbank unsere Produkte erwerben, werden durch die Hausbank informiert.Die Anleger müssen termingeschäftsfähig sein.Mit der Unkenntnis der Leute Geld zu verdienen, das ist nicht unsere Sache.

TAGESSPIEGEL: Ist eine Aktienanleihe nicht ein reines Spekulationspapier?

GERHARDT: Nein, aber man sollte nicht sein gesamtes Geld in Aktienanleihen investieren.Aktienanleihen eignen sich zur Depotbeimischung; etwa bis zu zehn Prozent.

TAGESSPIEGEL: Und trotzdem wirbt man gezielt mit beachtlichen Zinssätzen.Damit wird der Eindruck vermittelt, es gebe nichts zu verlieren.

GERHARDT: Wir sagen es immer direkt und offen: Im Extremfall ist auch der Totalverlust möglich.

TAGESSPIEGEL: Aber doch nur, wenn der Börsenwert auf Null sinkt; das heißt die Firma pleite geht oder die Börse kollabiert.Wie wird sich die Börse dieses Jahr entwickeln?

GERHARDT: Wir erwarten, daß der Dax in den nächsten zwölf Monaten auf 6000 Punkte klettert.

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