Wirtschaft : „Wir spüren ein Brummen“

Das Musikgeschäft wächst zum ersten Mal seit 1999.

Oscar für Adele. Die britische Sängerin schaffte es mit ihrem Album „21“ im zweiten Jahr in Folge an die Spitze der internationalen Charts. Einen Oscar für den Bond-Titelsong „Skyfall“ bekam sie auch.
Oscar für Adele. Die britische Sängerin schaffte es mit ihrem Album „21“ im zweiten Jahr in Folge an die Spitze der...Foto: dpa

London - Zum ersten Mal seit 13 Jahren hat der weltweite Verkauf von Musik wieder zugelegt. Die Branche verzeichnete 2012 im Vergleich zum Vorjahr ein geschätztes Wachstum von 0,3 Prozent auf 16,5 Milliarden Dollar (12,6 Milliarden Euro), wie ihr Verband IFPI am Dienstag mitteilte. 1999 hatte der Umsatz noch bei 27,8 Milliarden Dollar gelegen. Erfolgreichste Single war 2012 „Call Me Maybe“ von der kanadischen Künstlerin Carly Rae Jepsen, die britische Singer- Songwriterin Adele schaffte es mit „ 21“ zum zweiten Mal in Folge an die Spitze der internationalen Album-Charts.

Der legale Verkauf von Musik über das Internet mache inzwischen 34 Prozent des Gesamtmarktes aus, teilte der Verband mit. In mindestens acht Ländern – darunter Indien, Japan und Kanada – sei der digitale Umsatz inzwischen größer als der mit physischen Tonträgern wie CDs und DVDs. „Dies ist ein sauer verdienter Erfolg einer Branche, die innovativ war, gekämpft und sich über ein Jahrzehnt lang verändert hat“, sagte Verbandspräsidentin Frances Moore in London. „Wir spüren ein Brummen in der Branche, das wir lange Zeit nicht gespürt haben.“ Der weltweite Siegeszug von Smartphones, auf denen Musik digital gekauft und abgespielt werden kann, habe den Markt vorangetrieben. „Die Leute nutzen die Smartphones mehr zum Musikhören als zum Telefonieren“, konstatierte Edgar Berger, Chef des internationalen Geschäfts von Sony Music.

Der Verband forderte die Politik und die Betreiber von Internet-Suchmaschinen auf, noch radikaler gegen illegale Download-Plattformen vorzugehen. Die Suchmaschinen müssten nicht nur versuchen, illegale Plattformen abzustellen. „Sie sollten den legalen eine Priorität bei der Suchfunktion einräumen“, sagte Frances Moore. Ein Drittel aller Internetnutzer greife noch immer auf nicht lizensierte Anbieter von Musik zurück, sagte sie. Zudem müsse die Werbebranche aufhören, auf illegalen Plattformen Werbung zu schalten.

Im Gegensatz zu Märkten wie Brasilien oder Indien ist das Musikgeschäft in Deutschland wie auch in Großbritannien weiter leicht rückläufig. In Großbritannien sanken die Umsätze im vergangenen Jahr um sechs Prozent. Sony-Chef Berger begründete dies mit dem bisher hohen Anteil von physischen Tonträgern am Gesamtmarkt in beiden Ländern. Genaue Zahlen für Deutschland nannte IFPI am Dienstag nicht.

Insgesamt legten die weltweiten Umsätze mit Downloads, Abonnements und werbefinanzierten Online-Services im vergangenen Jahr um neun Prozent zu. Die Download-Verkäufe legten insgesamt um zwölf Prozent zu und machen heute 70 Prozent der Digitalumsätze aus. Die Zahl der Musikabonnenten bei Premium- Streaming-Diensten stieg um 44 Prozent auf rund 20 Millionen zahlende Kunden.

Nach aktuellen Schätzungen des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI) liegt der Anteil des Digitalmarkts in Deutschland bei etwa 20 Prozent. „Der digitale Wandel vollzieht sich in Deutschland zwar moderater, aber mit klarem Kurs: Den seit Jahren zweistelligen Zuwächsen im digitalen Segment steht ein rückläufiger, aber nach wie vor starker physischer Markt zur Seite“, sagte BVMI- Vorstandschef Dieter Gorny. dpa/Tsp

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