Wirtschaft : „Wir stehen alle unter Schock“

Mitarbeiter in Neukölln bangen um ihre Zukunft

Dorothee Schmidt

Berlin - Auf allen Fernsehern in der Elektronikabteilung der Wal-Mart-Filiale in Neukölln läuft das gleiche Programm: Die Nachrichten bei n-tv, wie an den meisten Tagen. Anders ist, dass am Freitagmittag Wal Mart selbst, die Übernahme der deutschen Filialen durch die Metro-Gruppe, die Topnachricht ist. „Da hör ich gar nicht hin“, sagt eine Mitarbeiterin der Elektronik-Abteilung und ist schon wieder im Lager verschwunden.

Das „Wal-Mart-Supercenter“ an der Karl-Marx-Straße ist die einzige Berliner Filiale, ein riesiger Gemischtwarenladen auf zwei Ebenen. T-Shirts, Fahrräder und Tassenuntersetzer aus Papier, Möbelpinsel und Bistrogardinen, Gartenzwerge für 9,97 Euro. Die Atmosphäre ist die eines Selbstbedienungs-Marktes: großzügig, aufgeräumt, aber auswechselbar.

Viele Kollegen reagieren betroffen auf die neue Lage. „Wir stehen alle unter Schock“, sagt Doreen Geier, die im Trockensortiment zwischen Süßigkeiten, Nudeln und Konserven arbeitet. Die Nachricht sei für alle überraschend. „Wir sind geplättet.“ Am Morgen habe es ein Meeting mit dem Filialleiter gegeben. „Wir warten erst einmal ab. Es geht jetzt darum, die Kunden zu versorgen.“

Ein junger Kollege aus der Lebensmittelabteilung empfindet die Stimmung als gespannt. „Wir wissen nur, dass es hier in den nächsten drei Monaten weitergeht.“ Kassiererin Janine Gödecke macht sich um ihren Arbeitsplatz keine Sorgen. Sie hat schon hier gearbeitet, als Wal-Mart noch Interspar hieß. Der Name hat sich im Laufe der Jahre oft geändert – Continent, Plaza und Coop war es davor – die Mitarbeiter blieben.

Wal Mart werde komplett übernommen, mit allen Mitarbeitern, betont auch Metro-Sprecher Albrecht von Truchseß. Die Filialnetze von Wal Mart und Metro passten sehr gut zusammen, „aber es ist nicht ausgeschlossen, dass wir uns nach der Entscheidung des Kartellamtes einige Standorte genauer anschauen.“

Die angespannte Stimmung gelangt nicht bis zu den Kunden. Den freundlichen Plausch mit dem Stammkunden an der Kasse gibt es auch an diesem Freitag. Der Slogan „Die Preise bleiben unten“ wirkt jetzt wie eine kleine Kampfansage. Kundin Cornelia Lindner fährt wegen der günstigen Preise extra aus Zehlendorf zum Wal Mart. „Ich glaube nicht, dass die Preise nach der Übernahme so bleiben werden.“ Einem anderen ist der Besitzer des Marktes völlig egal. „Hauptsache, die Produkte sind entsprechend.“

„Die 54, hat sich erledigt. Danke“, schallt eine Ansage durch den Wal Mart. Ob das auch für die Neuköllner Filiale gilt, ist noch nicht klar.

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