Wirtschaft : „Wir stehen zur Verfügung“

Deutsche wollen in Griechenland investieren – wenn die Konditionen stimmen

Gesprächsbereit. BDI-Präsident Hans-Peter Keitel will zügig verhandeln. Foto: M. Wolff
Gesprächsbereit. BDI-Präsident Hans-Peter Keitel will zügig verhandeln. Foto: M. Wolff

Berlin - Die deutsche Industrie will bei der Bewältigung der Schuldenkrise in Griechenland eine aktivere Rolle spielen. „Wir stehen als Unternehmer zur Verfügung“, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, am Dienstag bei einem Investitionskongress des Verbandes in Berlin. Die Stabilisierung des Euroraums sei für die deutsche Wirtschaft ein „absolut vorrangiges Thema“ – noch vor den ebenfalls drängenden Problemen in der Steuer- und Energiepolitik.

Keitel plädierte dafür, zügig mit der griechischen Regierung über attraktivere Rahmenbedingungen für ausländische Direktinvestitionen zu sprechen – etwa in der Steuergesetzgebung. „Allein durch Sparen, Konsolidieren und Privatisieren wird Griechenland unmöglich aus der Krise finden“, warnte der BDI-Präsident. Das Land müsse dringend seine Einnahmen stabilisieren. So seien Investitionen der deutschen Industrie im Bereich der erneuerbaren Energien vorstellbar. Griechenland könne stärker in das europäische Energienetz mit Solarenergie eingebunden werden – mit finanzieller Unterstützung der EU. „Warum definieren wir nicht Investitionsprojekte, die die EU aus anderen Töpfen finanziert“, fragte Keitel mit Blick auf die milliardenschweren Rettungspakete für Griechenland. Das Land müsse jetzt langfristigen Investoren rentable Anlagemöglichkeiten bieten.

Die Bereitschaft deutscher Firmen, verstärkt im Ausland zu investieren, ist nach BDI-Angaben gestiegen. Der Anteil der deutschen Unternehmensinvestitionen, die in andere Staaten gehen, werde sich von zehn Prozent im vergangenen Jahr auf 18 Prozent in den kommenden zehn Jahren erhöhen, so das Ergebnis einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag des BDI. „Dies ist kein Exodus aus Deutschland, sondern Auftrag für die Politik, sich um die restlichen 82 Prozent des Investitionsbudgets intensiv zu kümmern“, sagte Keitel. Unternehmen aus Industrie und industrienahen Dienstleistungen haben nach der IW-Studie im vergangenen Jahr 223 Milliarden Euro investiert, das waren 16 Prozent mehr als 2009. „Derzeit läuft es gut, aber kein Aufschwung dauert ewig“, sagte Keitel. Deutschland leide seit Jahren unter einer „strukturellen Investitionsschwäche“. Es gebe zu viele Hemmnisse, die das Investieren beeinträchtigten oder verhinderten: ausufernde Bürokratie, die mangelnde Verfügbarkeit von Fachkräften, Zweifel an einer sicheren und preiswerten Energieversorgung.

Zur Energiewende sagte Keitel, grundsätzlich trage der BDI die politisch gewollte Neuausrichtung der Energiepolitik mit. Aber: „Vieles halten wir für richtig, manches für überstürzt – und einiges für unrealistisch“, sagte Keitel. Für ein Gelingen der Energiewende seien Milliardeninvestitionen nötig.

Ungeachtet der Kritik an der Regierung und den politischen Unwägbarkeiten traut sich die deutsche Industrie dennoch viel zu. Das starke Wirtschaftswachstum werde sich zunächst fortsetzen und in diesem Jahr bei drei Prozent liegen, schätzt der BDI. mot

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