Wirtschaft : „Wir verbinden beide Kulturen“ Ein Spieleentwickler

über seine Karriere

Foto: promo
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Herr Yerli, wie sind Sie Unternehmer geworden?

Meine beiden Brüder und ich haben immer viel Computer gespielt. Irgendwann haben wir uns überlegt, solche Spiele auch zu entwickeln, und haben einfach angefangen. 2000 hatten wir den ersten Prototyp fertig. Wir sind zu dritt zur weltgrößten Spielemesse „E3“ in Los Angeles geflogen, um einen Verleger für das Spiel zu finden – alle im Anzug und total over- dressed. Das nützte aber nichts, keiner wollte mit uns sprechen. Erst als wir verzweifelt erklärt haben, dass wir alles auf eine Karte gesetzt haben und extra nach Amerika gekommen sind, hat es geklappt. Danach hieß es immer: Ach, die drei Brüder aus Deutschland.

Wurden Sie als Türken benachteiligt?

Unsere Startschwierigkeiten hingen weniger damit zusammen, dass wir Türken sind. Das lag eher an der Branche, die für Banker und klassische Geschäftsleute unverständlich war. Die konnten sich nicht vorstellen, was für ein Kapitalvolumen hinter der Spieleentwicklung steckt. Das ist heute teilweise immer noch so.

Ist es ein Vorteil in zwei Kulturen aufgewachsen zu sein?

In jedem Fall. Wir haben die Stärken aus beiden Kulturen herausgezogen.

Welche sind das?

Von den Deutschen haben wir Disziplin, Gründlichkeit und Qualitätsbewusstsein. In der türkischen Kultur ist man dagegen risikofreudiger, kommunikativer. Es wird nicht alles so ernst gesehen. Respekt und Ehrlichkeit spielen aber eine große Rolle. Wenn man sein Wort gibt, gilt das auch.

Was unterscheidet türkische und deutsche Unternehmer voneinander?

Türken gehen oft intuitiver vor. Dafür punkten Deutsche bei der Gründlichkeit, gerade in der Vorbereitung.

Werden Türken heute noch benachteiligt?

Wir spüren das nicht mehr so, weil wir mittlerweile sehr professionell organisiert sind. Aber generell würde ich sagen, dass es gerade am Anfang Probleme geben kann – etwa bei der Kreditvergabe. Da gibt es noch fundamentale Mängel. Teils versuchen die Banken zu wenig, die Ideen der Menschen zu verstehen. Da muss das Vertrauen auf der Geldgeberseite noch wachsen.

Wo sind die Türken den Deutschen überlegen?

Türken sind beim Marketing sehr stark. Sie können besser reden, das macht sich beim Verkauf bemerkbar. Man muss nur über einen türkischen Basar gehen – am Ende kauft man immer etwas.

Das Interview führte Julian Mieth.

Faruk Yerli (40) und seine Brüder Cevat und Avni haben die Spielefirma Crytek in Frankfurt gegründet. „Crysis“ ist ihr Kassenschlager. Weltweit arbeiten 600 Menschen für die Brüder.

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