Wirtschaft : „Wir verlangen oft zu wenig Geld“

Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Herr Schwenkow, Musik wird immer gehört – auch in Krisenzeiten, hieß es lange in der Konzertbranche. Seit 2008 sinken die Umsätze. Ist Musik doch nicht resistent?

Die Live-Umsätze sind seit zwei Jahren um acht Prozent gesunken, aber immer noch doppelt so hoch wie in der Tonträgerindustrie. Zwei große Tourneen, die ausfallen, können schon acht Prozent ausmachen. Ich würde das nicht auf die Goldwaage legen. Die Branche verliert auf hohem Niveau. Es geht uns nach wie vor gut.

Haben die hohen Ticketpreise das Publikum vertrieben?

Nein. Wir lernen von unseren Kunden, dass wir oft zu wenig Geld verlangen. Das zeigen die Preise, die auf dem Sekundärmarkt gezahlt werden, wenn ein Konzert ausverkauft ist. Ich hätte mir vor zehn Jahren auch nicht vorstellen können, dass wir Karten für 100 Euro und mehr verkaufen können. Aber die Erwartungen des Publikums an ein Drei-Stunden-Event sind heute sehr hoch. Entsprechend groß ist der Aufwand, der getrieben wird. Die Kopie einer DVD kostet nur ein paar Cent, die Kopie eines Konzertes ein paar hunderttausend Euro.

Es gibt also noch Spielraum nach oben bei den Ticketpreisen?

Das hängt von der Attraktivität des Künstlers ab. Wir wollen nicht mehr nehmen. Ich fühle mich wohl mit diesen Preisen.

Auch Top-Bands haben vor halbleeren Hallen gespielt. Gibt es zu viele Konzerte?

Es gibt zu viele Künstler, die alle 18 Monate auf Tournee gehen, weil es für sie wirtschaftlich nötig ist. Das kann auch Gier sein. Mit Tonträgern können viele Musiker nicht mehr viel verdienen.

Sie setzen auf Schlager, Volksmusik und Klassik, ein im gesamten Musikmarkt relativ kleines Segment. Warum?

Klassik ist ein globales Geschäft. Wir machen in Deutschland, Großbritannien und der Schweiz 30 Millionen Euro Umsatz mit Klassik. Herbert Grönemeyer kennt in Frankreich niemand mehr. Aber Verdi, Beethoven und Mozart sind weltbekannt.

Das Klassikpublikum ist im Schnitt älter. Sterben Ihre Kunden aus oder wächst die Zielgruppe nach?

Wir reden von den Best-Agern im Alter von 50 plus. Die werden immer älter, sie sind fit und ihr verfügbares Einkommen ist höher als das der 30- bis 40-Jährigen.

Sind denn die 15- bis 30-Jährigen noch für Klassik zu begeistern?

Wir haben eine Million Tonträger unseres Stargeigers David Garret in Deutschland, Österreich und der Schweiz verkauft. Welcher Popkünstler schafft das? Es gibt heute ein junges Publikum, das nicht mehr festgelegt ist. Und es gibt eine neue MTV- und Social-Network-Generation von Opernstars, die wie Popstars vermarktet werden und es auch wollen.

Das Interview führte Henrik Mortsiefer

Peter Schwenkow

ist Chef der Deutschen Entertainment AG. Das börsennotierte Berliner Unternehmen produziert Klassik- und Pop/Rock-Tourneen, aber auch einige Tonträger.

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