• „Wir wollen einen Beschäftigungspakt bis 2010“ Transnet-Chef Hansen über Bedingungen für einen Börsengang

Wirtschaft : „Wir wollen einen Beschäftigungspakt bis 2010“ Transnet-Chef Hansen über Bedingungen für einen Börsengang

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NORBERT HANSEN (51)

ist Vorsitzender der

Gewerkschaft Transnet, in der 330000 Beschäftigte aus der Transportbranche organisiert sind.

Foto: ddp

Herr Hansen, Sie haben sich in der Vergangenheit eher skeptisch zum Börsengang der Bahn geäußert. Wollen Sie ihn überhaupt?

Ich bleibe auch skeptisch, und Transnet hat sich hier immer eindeutig positioniert. Denn sollte es dazu kommen, müssen eine Reihe von Bedingungen erfüllt werden. Dazu gehört erstens eine längerfristige Beschäftigungszusage für die Mitarbeiter und zweitens die verbindliche Erklärung, dass der Konzern in seiner heutigen Struktur und nur mit Minderheitsanteilen an die Börse geht. Das heißt, wir sind – wie der Bahnvorstand und die Bundesregierung – gegen eine Trennung von Infrastruktur und Transporttöchtern.

Wie weit müsste denn die Beschäftigungszusage gehen?

In diesem Jahr läuft das Beschäftigungsbündnis bei der Bahn aus, und diesen Monat werden die Verhandlungen über eine Fortsetzung aufgenommen. Ich will eine Beschäftigungszusage bis 2010. Wir wollen verhindern, dass möglicherweise ein Investor ein oder zwei Jahre nach dem Börsengang sagt, Ihr habt nicht die erhoffte Rendite aus dem Verkehrsergebnis, holt sie aus Einsparungen – und das dann über Kündigungen erfolgt. Für dieses Ziel werden wir alle uns zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen.

Wenn die Forderungen erfüllt würden, könnten Sie sich schon 2005 den Börsengang vorstellen?

Ich bin nach wie vor nicht der Meinung, dass es die derzeitigen Ergebnisse und erkennbaren Ertragschancen erlauben werden, ein Börsendebüt zu wagen. Wenn man es zu früh startet und kein Investor gefunden wird, blamiert man sich nur. Oder wenn die finanzielle Basis nicht abgesichert ist, könnte ein Investor sehr schnell verlangen, dass sich die Bahn auf die profitablen Bereiche konzentriert.

Was wäre so schlimm an Profitabilität?

Eine Konzentration würde im direkten Widerspruch zu den verkehrspolitischen Zielen der Bundesregierung stehen. Das ist eine weitere Bedingung: Die Ziele der Bahnreform müssen auch nach einem Börsengang erreicht werden können. Auch ein Investor muss akzeptieren, dass die Frage des Angebots auch immer eine politische Komponente enthält.

Welchen Einfluss auf die Börsenfähigkeit haben denn die aktuellen Entscheidungen zu den staatlichen Investitionszuschüssen?

Sie haben den entscheidenden Einfluss. Wenn es mit dem nächsten Haushalt 2005 nicht zu einer Korrektur bei den Kürzungen kommt und es nicht auch eine langfristige Finanzierungszusage auf dem nötigen Niveau geben wird, dann wird es auch keinen Investor geben.

Daneben wächst die Bahn in ihrem Geschäft nur langsam. Wo könnte sie mehr verdienen?

Sie kann sowohl im Personen- als auch Güterverkehr erheblich mehr Umsatz machen. Jeder zweite Mensch in Deutschland ist noch nie mit der Bahn gefahren – ein gewaltiges Potenzial! Und beim Güterverkehr werden wir etwa durch die Osterweiterung der EU einen immensen Zuwachs beim Verkehr bekommen. Davon könnte die Bahn profitieren. Dafür müsste sie aber schon investieren.

Wieso tut sie es nicht?

Sie ist unterfinanziert und steht unter ständigem Kostendruck. Deshalb fährt der Konzern – mit Ausnahme des Güterverkehrs – ein Schrumpfmodell. Im Personenverkehr werden Verkaufsstellen geschlossen und Mitarbeiter in den Zügen eingespart. Die Ergebnisse zeigen aber, dass die Strategie nicht aufgeht.

Das Verhältnis zwischen Personal und Umsatz ist bei der Bahn aber relativ schlecht ...

Beim Personalabbau gibt es einen Teufelskreis, weil irgendwann nötige Dienstleistungen nicht mehr erbracht werden können. Das Problem könnte auch besser gelöst werden, indem der Umsatz gesteigert wird. Dann kann sich die Bahn auch das Personal leisten. Im Übrigen haben die Eisenbahner nicht die Spitzenlöhne in Deutschland. Beim Bahnmanagement wäre mehr Fantasie gefragt, das Personal umsatzträchtiger einzusetzen.

Die Fragen stellten Carsten Brönstrup und Bernd Hops.

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