• „Wir wollen in Berlin vorankommen“ Hypo-Vereinsbank-Chef Wolfgang Sprißler über den geplanten Kauf der Berliner Sparkasse, Renditeziele und neue Produkte

Wirtschaft : „Wir wollen in Berlin vorankommen“ Hypo-Vereinsbank-Chef Wolfgang Sprißler über den geplanten Kauf der Berliner Sparkasse, Renditeziele und neue Produkte

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Herr Sprißler, was macht man mit 6,5 Milliarden Euro auf dem Konto?

Sie spielen an auf unsere Veräußerungsgewinne, die im Wesentlichen aus der Übertragung der Bank Austria an die Unicredit entstehen werden. Wir haben das Geld ja noch nicht auf dem Konto. Wir gehen aber davon aus, dass der Vorgang Ende dieses Jahres, Anfang nächsten Jahres abgeschlossen wird. Mit dem Aufsichtsrat der Unicredit ist klar vereinbart worden, dass die Veräußerungsgewinne in Deutschland bei der HVB verbleiben und dort reinvestiert werden können. Das heißt, wir werden damit internes Wachstum unterlegen und wir werden Akquisitionen tätigen, fokussiert auf den deutschen Markt.

In Deutschland gibt es derzeit kaum Zukaufsmöglichkeiten. Eine der wenigen, wenn nicht sogar die einzige, ist die Landesbank Berlin, die im kommenden Jahr zum Verkauf steht. Der Chef Ihres italienischen Mutterkonzerns Unicredit, Alessandro Profumo, hat schon mal sein Interesse angemeldet.

Das Thema Landesbank Berlin wird nicht die einzige Möglichkeit in Deutschland sein. Wir werden jetzt nicht in Hektik ausbrechen und mit Gewalt versuchen, die 6,5 Milliarden Euro unter das Volk zu bringen. Wir haben einiges im Auge, ohne dass ich konkrete Adressen nennen kann. Wenn etwas auf den Markt kommt, werden wir es uns ganz genau anschauen.

Wie groß ist ihr Interesse an der Landesbank Berlin, der ehemaligen Bankgesellschaft?

Die HVB ist im Süden Deutschlands stark vertreten, hier liegen unsere Wurzeln. Auch im Norden Deutschlands sind wir gut aufgestellt. Im Rest Deutschlands sind wir jedoch noch nicht in dem Maße vertreten, wie wir es uns wünschen, gerade im Privatkundengeschäft. Ein Einstieg in den Großraum Berlin wäre ein großer Fortschritt für uns. Deshalb wollen wir in den Bieterprozess um die Landesbank einsteigen. Wir waren auch bei der Berliner Bank dabei. Damals ist ein anderer zum Zug gekommen. Wir werden sehen, ob wir diesmal Erfolg haben werden. Ich vermute, dass sich sowohl inländische als auch ausländische Banken am Bieterprozess beteiligen werden. Wir werden in jedem Fall ein ernsthaftes Gebot abgeben, um im Großraum Berlin entscheidend voran- zukommen.

Die Landesbank könnte wegen der zugehörigen Berliner Sparkasse sehr teuer werden. Von bis zu fünf Milliarden Euro ist die Rede. Das liegt auch daran, dass es die erste Sparkasse sein könnte, die in den Besitz einer privaten Bank übergeht. Wären Sie bereit, einen politischen Preis dafür zu zahlen, dass das öffentlich-rechtliche Bankenlager aufgebrochen wird?

Ich kann mir vorstellen, dass für die Landesbank Berlin ein politischer Preisaufschlag zu zahlen sein wird, über das hinaus, was aus betriebswirtschaftlicher Sicht gerechtfertigt wäre. Uns geht es aber nicht so sehr um das Aufbrechen der Bankenlandschaft, sondern vor allem darum, in Berlin stärker vertreten zu sein. Aber auch wenn der Preis für die Landesbank nicht niedrig sein wird, werden wir keine Mondpreise bezahlen. So ein Projekt muss sich zumindest längerfristig rechnen.

Wie wichtig wäre Ihnen die Verwendung des Sparkassennamens, über den sich die Bundesregierung derzeit mit der EU-Kommission streitet?

Ich begrüße die konsequente Haltung der EU-Kommission zu diesem Thema. In Italien hat unser Mutterkonzern Unicredit gezeigt, wie man Sparkassen und Geschäftsbanken miteinander verbinden kann. Unicredit ist aus der Fusion von sechs Sparkassen und einer Privatbank entstanden. Wir brauchen in Deutschland gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle drei Säulen des Systems, also öffentlich-rechtliche, private und genossenschaftliche Banken. Dies ist keine Kriegserklärung an die Sparkassen. Aber aus gleichen Wettbewerbsbedingungen folgt für mich, dass es zwingend notwendig ist, dass Privatbanken auch Sparkassen erwerben können.

Und deren Namen weiter nutzen können?

Ich würde es nicht ausschließen, dass man den Namen Sparkasse weiter nutzen würde. Aber der Name steht für uns nicht im Vordergrund. Wichtiger ist uns, dass private Banken grundsätzlich Sparkassen kaufen können. Das ist unter den gegebenen politischen Verhältnissen schwierig genug. Ich rechne nicht damit, dass wir dies kurzfristig erleben werden. Es gibt starke Kräfte, die die Trennung zwischen den drei Säulen des Bankensystems strikt verteidigen.

Was machen Sie in Berlin, wenn Sie bei der Landesbank nicht zum Zug kommen?

Dann werden wir auf jeden Fall im Großraum Berlin über eigene Maßnahmen nachdenken, zum Beispiel über Filialgründungen.

Die Unicredit hat Ihnen hohe Ziele vorgegeben. Sie sollen Ihre Eigenkapitalrendite bis 2008 um mehr als ein Drittel steigern. Wie wollen Sie das schaffen?

Die Unicredit hat uns keine Renditeziele vorgegeben. Wir haben gemeinsam einen Dreijahresplan verabschiedet. Die Ziele darin wurden ausgehend von der Basis in der HVB entwickelt. Unter anderem wollen wir rund 15 Prozent Eigenkapitalrendite für 2008 erreichen. Diesem Ziel nähern wir uns im laufenden Jahr schon deutlich an. Deshalb ist mir nicht bange, dass wir es im Jahr 2008 erreichen werden. Wir sind auf Wachstum ausgerichtet.

Heißt das auch, dass Sie Ihr Filialnetz ausbauen?

Ja. Das gilt für Berlin und ganz Deutschland. So haben wir im Bereich Wealth Management bereits die Zahl der entsprechenden Standorte auf mehr als 40 verdoppelt.

Was ist mit dem einfachen Filialgeschäft?

Auch dort werden wir sicher punktuell Ergänzungen vornehmen. Flächendeckend ist dieser Ausbau aber besser über Akquisitionen zu erreichen.

Wie wollen Sie in den bestehenden Filialen neue Privatkunden gewinnen?

Wir hatten in der Vergangenheit Kundenverluste hinzunehmen. Es ist uns jedoch gelungen, diesen Trend unter anderem mit Hilfe neuer Produkte umzukehren. Inzwischen haben wir wieder einen Nettozuwachs an Kunden. Allein für das Willkommens-Konto haben wir seit Juli rund 39 000 Kunden gewonnen, 90 Prozent davon hatten bisher kein HVB-Konto. Wir werden auch weiterhin neue Produkte auf den Markt bringen. Ein aktuelles Beispiel ist das HVB Plus Sparen für Internet-Neukunden.

Nach der langen Krise der HVB steigen die Gewinne mittlerweile schneller als bei der Mutter Unicredit. Ärgern Sie sich im Nachhinein manchmal darüber, dass Ihr Vorgänger Dieter Rampl die Bank zu billig und zu schnell hergegeben hat?

Nicht Herr Rampl hat die Bank weggegeben, auch wenn dies immer wieder behauptet wird. Hinter der Fusion mit Unicredit standen ein einstimmiger Beschluss des damaligen Vorstandes der Hypo-Vereinsbank, dem auch ich angehörte, und ein Mehrheitsbeschluss des Aufsichtsrates. Die Bank ist vor einem Jahr aus damaliger Sicht sehr fair bewertet worden. Ich halte die Entscheidung, konsequent auf die europäische Bankenkonsolidierung zu setzen, nach wie vor für richtig. Wir als HVB haben durch den Zusammenschluss mit der Unicredit jetzt die Möglichkeit, in die Offensive zu gehen. Diese Chance hätten wir nicht gehabt, wenn wir alleine geblieben wären.

Vor der Fusion wollten Sie eigentlich schon in den Ruhestand gehen. Dann wurden Sie plötzlich Vorstandschef der HVB. Wie lange werden Sie diesen Posten noch ausfüllen?

Ich bin mit großer Begeisterung Vorstandssprecher der HVB. Mein Vertrag läuft bis Ende März 2009 und ich gedenke ihn bis dahin mit Engagement und Leidenschaft zu erfüllen.

Das Gespräch führte Stefan Kaiser.

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