Wirtschaft : Wirbel um Ludewig hält an

FRANKFURT (MAIN) (AFP/Tsp).Die Spekulationen über eine Abberufung von Bahn-Chef Johannes Ludewig und Fernverkehrsvorstand Axel Nawrocki haben am Dienstag neuen Auftrieb erhalten.Während SPD-Bundesgeschäftsführer Franz Müntefering demonstrativ entsprechende Forderungen aus den eigenen Reihen zurückwies und erklärte, Spitzenpositionen bei bundeseigenen Unternehmen seien für die Sozialdemokraten "im Gegensatz zur Regierung Kohl keine Spielmasse", kritisierten der Fahrgastverband Pro Bahn und die Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands (GdED) die Unternehmenspolitik des Bahnchefs.

Müntefering reagierte am Dienstag auf Angaben des bahnpolitischen Sprechers der Grünen-Bundestagsfraktion, Albert Schmidt, gegenüber dem "Tagesspiegel", wonach es an der Spitze der Bahn "einen Schnitt geben" werde.Über die Besetzung von Spitzenpositionen in Bundesunternehmen werde weder in Koalitionsverhandlugen noch in Parteigremien entschieden, so Müntefering.Für Personalentscheidungen sei der Aufsichtsrat zuständig."In diesem Sinne wird die künftige SPD-geführte Regierung dafür Sorge tragen, daß nach Recht und Gesetz gehandelt wird.

Unterdessen wird der Kreis der Kritiker an Ludewigs Geschäftsführung größer."Ein so derbes Jahr hat die Bahn lange nicht erlebt", sagte der Pro-Bahn-Sprecher Holger Jansen.Als Managementfehler bezeichnete er die von Ludewig angekündigte Ausdünnung des Regionalverkehrs, die Preiserhöhungen und die Berufung des erfolglosen Berliner Olympia-Werbers Nawrocki auf den Chefsessel des Bereichs Fernverkehr.Gewerkschaftschef Rudi Schäfer kritisierte die Ankündigung eines weiteren Stellenabbaus von 3500 Arbeitsplätzen.

Ludewigs Chancen stünden nicht nur wegen seines CDU-Parteibuches, sondern auch wegen seiner Leistungsbilanz schlecht, sagte Jansen.Insidern zufolge wird die Bahn in diesem Jahr nur auf Grund von Sondererträgen aus dem Verkauf ihrer Arcor-Anteile ein knapp positives Geschäftsergebnis vorlegen.Pro Bahn erwarte von der neuen Bundesregierung, daß es keine Belastung der Bahn durch das Transrapid-Projekt geben dürfe.

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