Wirtschaft : Wirbelstürme treffen die Ölkonzerne

British Petroleum rechnet wegen Produktionsausfällen mit 700 Millionen Dollar weniger Gewinn

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London/Düsseldorf Die Hurrikane im Golf von Mexiko hinterlassen auch Spuren in den Bilanzen der Ölkonzerne. Der finanzielle Schaden wurde gestern erstmals deutlich, als British Petroleum (BP) eine Schätzung der Einbußen im dritten Quartal veröffentlichte. Der britische Ölriese teilte mit, dass die Schäden an Ölplattformen sowie Produktionsausfälle den Gewinn um mindestens 700 Millionen Dollar verringern. Neben BP, dem größten Produzenten im Golf von Mexiko, werden auch andere Unternehmen Schrammen davontragen. Die bekannten Gewinneinbußen addieren sich schon jetzt auf mehr als eine Milliarde Dollar.

Die schweren Wirbelstürme an der Südküste der USA haben die stark in der Region vertretene BP doppelt getroffen: Sie beschädigten Ölplattformen im Meer und verringerten die Kapazität der Raffinerie in Texas City. Zusammen mit niedrigeren Margen im Benzinverkauf und Kosten für Reparaturen und Aufräumarbeiten kommt der dreistellige Millionenschaden zustande. Im zweiten Quartal hatte BP den Konzerngewinn um 29 Prozent auf knapp fünf Milliarden Dollar gesteigert. Der Konzern teilte gestern mit, dass seine Produktion im dritten Quartal mit im Tagesschnitt 3,8 Millionen Barrel (á 159 Liter) um drei Prozent unter dem Vorjahresstand lag. Für das Gesamtjahr rechnet BP aber unverändert mit 4,1 bis 4,2 Millionen Barrel pro Tag.

Analysten bezeichneten die Zahlen als etwas schlimmer als erwartet. Goldman-Sachs-Analyst Matthew Lanstone wies jedoch darauf hin, dass die hohen Ölpreise den Gewinn der Konzerne andererseits in die Höhe trieben. Er sagte für die europäischen Ölkonzerne ein Gewinnplus von 55 Prozent auf zusammen 24,4 Milliarden Dollar voraus.

BP trägt bisher die größten Schrammen von der Wirbelsturmsaison im Golf von Mexiko davon. Die Hurrikane haben aber auch das Geschäft anderer Öl- und Energiekonzerne durcheinander gebracht: So rechnet der nach Börsenkapitalisierung zweitgrößte Ölkonzern der USA, Chevron Texaco, damit, dass die Sturmsaison – allerdings noch ohne Rita – den Gewinn im dritten Quartal um mehr als 350 Millionen Dollar schmälern wird. Die Margen im Raffineriegeschäft seien zwar stark gestiegen, doch der Verkauf von Benzin und Ölprodukten sei vor allem an der Westküste der USA stark zurückgegangen, heißt es bei Chevron.

Der US-Multi Conoco Phillips beziffert die Folgen der Stürme zwar noch nicht, doch es sei zu erwarten, dass die Produktion von Öl und Gas, eines der wichtigsten Kriterien bei der Bewertung von Ölkonzernen, im dritten Quartal wegen der Hurrikane gesunken sei. Insgesamt fehlen Conoco in Folge der Stürme 20000 Barrel Öläquivalente am Tag.

Auch der staatliche mexikanische Ölkonzern Pemex kämpft mit den Folgen von Rita: Die Gesellschaft werde rund zehn Millionen Barrel an Ölexporten wegen der Schäden in US-Raffinerien stoppen müssen, wo das Rohöl in der Regel verarbeitet wird. Das Öl muss Pemex nun zu Discount-Raten auf dem Markt anbieten. Nach einem Bericht des US-Energieministeriums fallen derzeit bisher immer noch über 90 Prozent der Öl- und rund 75 Prozent der Gasproduktion im Golf aus.

Das trifft unter den europäischen Produzenten auch die Shell Group, doch das Unternehmen hat die nötigen Daten für die Gewinneinbußen noch nicht beisammen. Bereits wegen Hurrikan Katrina war die Produktion um zwei Drittel eingebrochen. Der Konzern hatte vor dem zweiten Sturm geschätzt, dass er im vierten Quartal wieder auf 60 Prozent der vorherigen Produktion im Golf von Mexiko kommen würde. dih/tom/HB

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