Wird aus Herlitz Pelikan? : Hoffnung für Berliner Traditionsfirma

Der Großaktionär aus Malaysia will neue Aktien ausgeben und Herlitz womöglich in Pelikan umbenennen. Die Gewerkschaft Verdi findet das gut.

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Neue Wege. Herlitz setzt auf junge Kundschaft. Bei der Berliner Fashion Week war der Schreibwarenhersteller mit einem eigenen Stand vertreten.
Neue Wege. Herlitz setzt auf junge Kundschaft. Bei der Berliner Fashion Week war der Schreibwarenhersteller mit einem eigenen...Foto: Foto: obs/Herlitz AG/Thomas Lohnes

Der Berliner Schreibwarenhändler Herlitz soll künftig Aktiengesellschaft bleiben, könnte in absehbarerer Zeit aber seinen Namen verlieren und stattdessen Pelikan heißen. Das geht aus einer Ad-hoc-Mitteilung des Unternehmens hervor, die Herlitz im Internet veröffentlicht hat. Vor der endgültigen Freigabe einer Umbenennung durch Vorstand und Aufsichtsrat werde ein Team von externen Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern und Anwälten die vorgeschlagene Transaktion prüfen, heißt es. „Finale Vorschläge werden den Aktionären auf einer außerordentlichen Hauptversammlung zur Entscheidung vorgelegt, die zu gegebener Zeit einzuberufen ist.“

Neben der erwogenen Umfirmierung geht es in der Mitteilung auch um die Eingliederung von Beteiligungen der Pelikan Gruppe in die Herlitz Aktiengesellschaft, die der ausländische Großaktionär der beiden Firmen, Pelikan International Corporation Berhad Malaysia (PICB), vorgeschlagen hatte. Herlitz-Vorstand und -Aufsichtsrat haben den Plänen bereits zugestimmt. Der Investor hatte das Produktgeschäft des Berliner Traditionsunternehmen aus dem Unternehmen herausgelöst und Ende 2013 gekauft.

PICB hält mittlerweile 96 Prozent der Aktien der Pelikan Holding und 70 Prozent der Herlitz-Anteile. Nach den Plänen des Hauptaktionärs sollen künftig vor allem die ausländischen Papier-, Büro- und Schreibwaren-Beteiligungen von Pelikan sowie die Vertriebsgesellschaft des Konzerns aus Hannover zu Herlitz gehören. Auch das Logistik- und Produktionszentrum Falkensee, bisheriges Aushängeschild von Herlitz vor den Toren Berlins, wird in die Aktiengesellschaft übernommen. Für die Finanzierung des Transfers hat der malaysische Investor eine Kapitalerhöhung und die Platzierung neuer Aktien in Aussicht gestellt. Die Transaktion soll bis Ende September 2014 abgeschlossen sein.

In Falkensee hat Herlitz 500 Mitarbeiter

Was die Pläne des malaysischen Unternehmens PICB für die Marke Herlitz, für die künftige Struktur und die Mitarbeiter des Unternehmens im Einzelnen bedeuten, wollte Herlitz am Mittwoch auf Anfrage nicht kommentieren. Bei den rund 500 Herlitz-Mitarbeitern im Falkenseer Logistik- und Produktionszentrum jedenfalls sollen die Vorhaben und insbesondere die Kapitalerhöhung des Großaktionärs mit Erleichterung aufgenommen worden sein, heißt es in Unternehmenskreisen.

Ähnlich positiv sieht es auch Andreas Köhn von Verdi. Nach seiner Einschätzung sind die aktuellen Entwicklungen „gut für Herlitz, weil es keine Doppelstrukturen mehr gibt“. Die Zusammenlegung mehrerer Geschäftsbereiche verringere die Gefahr einer Insolvenz, sagte der Fachbereichsleiter der Dienstleistungsgewerkschaft für Tarif-, Medien- und Kulturpolitik. Köhn saß als Arbeitnehmervertreter auch jahrelang im Aufsichtsrat von Herlitz und ist daher gut mit der Geschichte des Unternehmens vertraut. Größere Personaleinschnitte im Rahmen der Beteiligungseingliederung und Umfirmierung erwartet der Gewerkschafter nicht. „Wenn sich da was tut, wird es allenfalls bei der Vermarktung sein“, meinte Köhn. „Da dort in den vergangenen Jahren aber schon Arbeitsplätze abgebaut worden sind, halte ich das für unproblematisch.“

Auch die mögliche Umbenennung der Aktiengesellschaft von Herlitz in Pelikan sieht der Gewerkschafter nicht negativ. „Pelikan ist nun einmal der bekanntere Name“, sagt er. Eine Umfirmierung sei nicht zwangsläufig mit dem Ende der Marke Herlitz gleichzusetzen, sagt er. Köhn geht davon aus, dass der Schreibwarenhersteller Pelikan – wie schon jetzt – auch in Zukunft Produkte von Herlitz verkauft. „Wahrscheinlich wird die Produktpalette sogar noch durch Zukäufe erweitert“, mutmaßt er. Das passe zur Zielsetzung „Alles aus einer Hand“.

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