Wirtschaft : Wird es für Häuslebauer doch wieder teurer?

SIMONE MATTHAEI

DÜSSELDORF .Schaffe-schaffe-Häusle-baue - dieser Gedanke ist dieses Jahr vielen durch den Kopf gegangen.Denn die Zinsen für Baugeld rutschten auf einen historischen Tiefstand.Bauen war billig wie nie zuvor.Also wurde heftig gerechnet: Was kostet das Traumhaus und wie teuer ist das Geld für ein zehnjähriges Darlehen? Zauderern sei gesagt: Bauen mit Wüstenrot ist teurer geworden.Die Zinsen für ein Darlehen mit einer fünfjährigen Bindungsfrist und 100prozentiger Auszahlung stiegen bei Wüstenrot von 4,55 auf 4,7 Prozent nominal.Auch der Effektivzins kletterte von 4,65 auf 4,8 Prozent.Reagiert der Wüstenrotfuchs damit auf eine bevorstehende Leitzinserhöhung? Oder ist es eine schlaue Werbestrategie vor Jahresende, um den Zögerlichen unter den Bauwilligen klar zu machen: Nächstes Jahr wird es wieder teurer?

"Ein bißchen Werbung ist das sicherlich", meint Jens Lißner, der bei der Konkurrenz, der Landesbausparkasse (LBS), als Gruppenleiter für den Bereich Produktmarketing zuständig ist.Ein ernster Kern stecke aber schon dahinter."Auch die LBS geht davon aus, daß sich die langfristigen Zinsen in den nächsten Monaten leicht erhöhen werden." Vorerst lassen die Stuttgarter die Zinsen fürs Baugeld unangetastet.Dennoch, sagt Lißner, sei Deutschland im europaweiten Vergleich "am Ende der Peripherie." Die anderen Euroländer versuchten erst auf das niedrige Zinsniveau zu kommen.

Dieser Ansicht ist auch Stefan Mitropoulos, Branchenanalyst für Immobilien und Bauen bei der Deutschen Bank.Dennoch, eine grundlegende Zinswende sei das nicht.Er vermutet, daß die Bundesbank die Leitzinsen auf dem momentanen Niveau halten wird, und die Entscheidung der Europäischen Zentralbank überlassen wird.In Deutschland sieht Mitropoulos eine Zinserhöhung erst "am langen Ende".

Investoren in Mietimmobilien werden also den Bleistift spitzen und nochmals rechnen müssen.Lohnt es sich, jetzt zu kaufen, oder versucht man, den Preis besser noch etwas zu drücken? Denn in naher Zukunft könnten auch die Hausverkäufer in Engpässe geraten.Immerhin plant die neue Regierung, die Spekulationsfrist von zwei auf zehn Jahre anzuheben.Demnach müßten die Hauseigentümer zehn Jahre mit dem Hausverkauf warten, ehe sie den Gewinn steuerfrei einstreichen könnten.Eine lange Zeit.Da wird sich manch ein Hausbesitzer noch etwas runterhandeln lassen - zumindest dann, wenn er das Haus noch nicht lange besitzt.

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