Wirtschaft : Wirtschaft 2000: Der Euro steht im Schatten des Dollar

Martina Ohm

Im Wesentlichen geht es mit dem Euro in seinem zweiten Lebensjahr nur in eine Richtung: bergab. Bereits Ende Januar rutscht der Kurs unter die Parität zum Dollar. Amerika lockt mit höheren Zinsen und besseren Wachstumsraten. Die Reformpolitik im Euroraum hingegen erscheint zu zögerlich.

Weil höhere Öl- und Rohstoffpreise über den Import die Inflationsraten kräftig nach oben drücken, steuert die EZB mit höheren Zinsen gegen. Im Frühjahr erhöht sie den Zinsatz zweimal um jeweils 0,25 Prozentpunkte auf zunächst 3,5 Prozent. Doch auch die höheren Zinsen - Ende April steigen sie auf 3,75 Prozent - stützen den Wechselkurs nicht. Erst Interventionsgerüchte geben der Gemeinschaftswährung vorübergehend Halt. Während der Euro um die Marke von 90 Cent schwankt, rückt die Kommunikationspolitik der EZB ins Zentrum der Kritik. Die Forderung nach mehr Transparenz wird laut und der Druck auf den Euro nimmt weiter zu. Die EZB muss handeln und erhöht die Zinsen im Juni auf 4,25 Prozent.

Im Juli endlich kommen vage Zeichen der Entwarnung aus den Vereinigten Staaten. US-Notenbankchef Alan Greenspan rechnet mit einer konjunkturellen Beruhigung in den USA. Auch der US-Präsidentschaftswahlkampf geht in seine heiße Phase. All das bedeutet: Bis auf weiteres hält die Fed still, die US-Zinsen steigen nicht weiter. Zinspolitisch erhält der Dollar vorerst keine weitere Rückendeckung mehr. Doch bereits im September lauten die Schlagzeilen: Euro so schwach wie noch nie. Die Marke von 90 Cents ist längst nach unten durchbrochen. Zweifel an der Dynamik der europäischen Wirtschaftsentwicklung kommen auf. Anfang Oktober steigen die Zinsen erneut - die sechste und vorläufig letzte Erhöhung hievt Europas Leitzinsen auf 4,75 Prozent. Mit dem Euro aber geht es weiter bergab.

Mitte Oktober kommt es noch schlimmer. EZB-Chef Wim Duisenberg nimmt die Forderung nach mehr Transparenz zu wörtlich - und tritt gewaltig ins Fettnäpfchen. Auf seine Vorgabe - vorerst keine Interventionen - knickt der Eurokurs erneut ein. Rücktrittsforderungen machen die Runde. Und dann kommen die Interventionen doch - nur eine Trendumkehr bewerkstelligen sie nicht. Der Euro-Referenzkurs gibt bis auf knapp 82 Cent nach.

Erst zum Jahresende scheint sich die Stimmung zu drehen. Die Dynamik des US-Wirtschaftswachstum lässt nach. Zwar lässt die US-Notenbank ihren Zinssatz zunächst unverändert und der jüngste Ifo-Konjunkturtest zeigt: Auch für den Euroraum sind die konjunkturellen Aussichten für 2001 nicht besonders rosig. Und doch: Der Euro zeigt sich unerwartet robust. Erstmals seit Monaten klettert der Kurs von Europas Gemeinschaftswährung auf bis fast 93 Cents.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben