Wirtschaft : Wirtschaft befürchtet magere Zeiten Ifo-Geschäftsklima erneut schlechter

Berlin - Die deutsche Wirtschaft rechnet mit einer weiteren Abschwächung der Konjunktur in den kommenden Monaten. Der Ifo-Geschäftsklima-Index sank im September zum dritte Mal in Folge, wie das Institut am Montag mitteilte. Der Rückgang des wichtigsten Frühindikators für Deutschland fiel zwar nicht so stark aus wie befürchtet. Er erreichte aber den tiefsten Wert seit Sommer 2010.

Gegenwärtig sind die 7000 befragten Manager allerdings noch recht zufrieden und schätzen ihre Lage besser ein als zu Jahresbeginn. Dies zeige, „dass sich die deutsche Konjunktur bislang von den politischen Turbulenzen abkoppeln konnte“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Der Ifo-Index sank von 108,7 auf 107,5 Punkte. Erfahrungsgemäß ist ein dreimaliger Rückgang in Folge gleichbedeutend mit einem konjunkturellen Wendepunkt. Trotz des Pessimismus sieht Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) Deutschland nicht vor einer Rezession, sondern „vor einer Phase ruhigeren Wachstums“, wie er sagte. In den Industriestaaten werde die Wirtschaft in den nächsten Quartalen nur moderat zulegen.

Dagegen fürchten Wirtschaftsforscher bereits eine Rezession in den beiden Winterquartalen 2011/2012. „Das sieht immer weniger nach einer bloßen Wachstumsdelle aus, die zwei Jahre nach dem Ende einer Rezession nicht ungewöhnlich ist“, sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

Hoffen können die Firmen auf bessere Kreditkonditionen durch die Europäische Zentralbank (EZB). Sie brachte wegen der Rezessionsgefahr wieder Zinssenkungen ins Spiel. „Zinssenkungen können nicht ausgeschlossen werden“, sagte Ratsmitglied Ewald Nowotny.

Dieser Umstand sowie Gerüchte um Kapitalhilfen für die Finanzwirtschaft sorgten an den Börsen für gute Stimmung. Die Finanzwerte lagen deutlich im Plus, allen voran die Allianz mit über zehn Prozent. Stark unter Druck standen dagegen Edelmetalle. Nach einer monatelangen Rekordjagd fiel der Goldpreis unter 1600 Dollar. In den vergangenen Handelstagen registrierten Börsianer einen Preisverfall wie seit 30 Jahren nicht mehr. „In Zeiten extremer Anspannung gibt es keinen Ersatz für Liquidität“, begründete Analyst Tom Kendall von der Credit Suisse den Trend.

Derweil prüft die EU-Kommission die Aufstockung des Rettungsfonds EFSF für angeschlagene Euro-Staaten. „Wir schauen uns diese Frage genau an. Es ist deutlich, es gibt Spannungen auf den (Finanz-)Märkten“, ließ EU-Währungskommissar Olli Rehn erklären. brö

0 Kommentare

Neuester Kommentar