Wirtschaft : Wirtschaft bildet wieder mehr aus

BONN .Die Wirtschaft hat in diesem Jahr erstmals wieder deutlich mehr Lehrverträge abgeschlossen.Mit 612 771 neuen Verträgen gab es knapp 26 000 mehr als im Vorjahr.Dies entspricht einem Plus von bundesweit 4,4 Prozent, teilte die neue Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) am Montag in Bonn mit.Für den Zuwachs sorgten vor allem die Betriebe im Westen und die Bundesanstalt für Arbeit, die ihre Sonderprogramme wieder um rund 6000 Plätze steigerte.Dagegen wurden im Osten erneut drei Prozent weniger Lehrverträge von Firmen abgeschlossen als im Vorjahr.

Die Gesamtbilanz der Ausbildungsverträge macht nach den Worten Bulmahns Hoffnung und zeigt, "was machbar ist, wenn Wirtschaft und Politik an einem Strang ziehen".Offenbar seien bisher noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden.Trotz der entspannteren Situation gebe es allerdings noch immer keinen Grund zum Jubeln.Die Ministerin verwies darauf, daß Ende September - vier Wochen nach Beginn des neuen Ausbildungsjahres - noch immer knapp 36 000 Jugendliche bei den Arbeitsämtern als nicht vermittelt registriert worden waren, davon knapp 23 500 im Westen und 12 500 im Osten.Dem standen bundesweit 23 300 freie Lehrstellen gegenüber, aber oft "nicht dort, wo sie gebraucht werden".Industrie und Handel als größte Ausbilder schlossen bis zum gesetzlichen Stichtag 30.September nach der Erhebung der Kammern im Westen mit 242 071 Verträgen ab, rund 8,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor.Im Osten waren es mit 69 592 sogar zehn Prozent zusätzlich.Das Handwerk konnte zwar im Westen um 2,3 Prozent auf 167 994 Plätze zulegen, hatte aber im Osten einen Rückgang um gut sechs Prozent auf 44 388 Lehrstellen zu verzeichnen.Freie Berufe wie auch öffentlicher Dienst - als erheblich kleinere Ausbilder - verzeichneten in Ost wie West Rückgänge: die freien Berufe um 1,7 Prozent auf 45 892 im Westen und um 6,4 Prozent auf 5970 im Osten.Der öffentliche Dienst reduzierte um 2,2 Prozent auf knapp 12000 (West) und um elf Prozent auf 3200 (Ost).Einen deutlichen Zuwachs verzeichnetet die Hauswirtschaft, allerdings bei geringen Gesamtzahlen.Die Betriebe im Westen erreichten ein Plus von 4,9 Prozent mehr Verträgen.

Vor allem in den neuen Bundesländern gebe es nach wie vor dringenden Handlungsbedarf, erläuterte Bulmahn.Daher liege der Schwerpunkt des neuen Sofortprogramms für arbeitslose Jugendliche in den neuen Bundesländern.Im Osten wurde trotz der Rückgänge betrieblicher Lehrstellen auch in diesem Jahr insgesamt ein Plus von 2,8 Prozent Verträgen erreicht.Dies sei nur durch möglich gewesen, weil der Staat mehr Plätze auch in anerkannten Ausbildungsberufen vollständig finanzierte.Künftig müsse das Angebot an Ausbildungsplätzen aber mit Arbeitgebern und Gewerkschaften im Bündnis für Arbeit und Ausbildung vereinbart werden.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung in Berlin fragt in jedem Jahr bei den Kammern die dort registrierten Lehrverträge ab, die bis zum gesetzlichen Stichtag abgeschlossen wurden.Dies ist Grundlage des jährlichen Berufsbildungsberichts der Bundesregierung.

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