Wirtschaft : Wirtschaft: Eigennutz nutzt allen

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Der Markt ist ein reiner Koordinationsmechanismus ohne übergeordnete Werte“, sagt Lüder Gerken, Vorstand der Stiftung Marktwirtschaft. Die Wirtschaft brauche keine religiösen oder ethischen Grundsätze, um zu funktionieren. Was nicht heißt, dass sie keine Regeln braucht. Den Schutz des Eigentums zum Beispiel. Oder das Vertrauen, dass der andere geschlossene Verträge auch einhält. Wenn solche Regeln zusammenbrechen, dann folgt nach Thomas Hobbes ein „Kampf aller gegen alle“, eine Anarchie, in der sowohl das nackte Überleben als auch Handel schwer werden.

Wer sich als unzuverlässiger Geschäftspartner erweist, mit dem will bald niemand mehr Geschäfte machen. Die Begründung für anständiges Verhalten liegt also bei den meisten Handelnden in der Wirtschaft nicht unbedingt darin, dass sie nicht sündigen wollen. Sondern darin, dass sie selbst darauf hoffen müssen, von ihren Geschäftspartnern anständig behandelt zu werden. Nicht umsonst sind die Grundsätze des ehrbaren Kaufmanns ungeschriebene Regeln von Händlern, die über große Entfernungen und oft, ohne einander persönlich zu kennen, miteinander Geschäfte machten.

Auf das InternetZeitalter übertragen heißt das: Nur solange jeder, der beispielsweise bei Ebay handelt, annehmen kann, dass der andere die Spielregeln akzeptiert, funktioniert der Marktplatz. In der wirtschaftswissenschaftlichen Spieltheorie nennt man den dazu passenden Grundsatz: „Der wahre Egoist kooperiert.“ Im Grunde macht in der Marktwirtschaft nur der Gewinn, „der etwas anbietet, was seine Mitmenschen so wollen, dass sie dafür zahlen“, sagt Karl Homann, Professor für Philosophie und Ökonomik in München. sme

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