Wirtschaft : Wirtschaft erwartet das Ende der Rezession

brö/opp/mo

Konjunkturexperten erwarten, dass im zweiten Halbjahr die Wirtschaft in Schwung kommt. Zwar lag im vierten Quartal 2001 die deutsche Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Doch trotz schlechter Arbeitsmarktdaten stünden die Chancen gut, dass sich die Lage insbesondere auch in den neuen Ländern verbessert, sagte Rüdiger Pohl, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH).

Der Rückgang des Bruttoinlandsproduktes ( siehe Lexikon ) im vierten Quartal 2001 war nach Angaben des Statistischen Bundesamtes der erste Einbruch im Vorjahresvergleich seit Anfang 1996. Als Hauptgründe dafür wurden die deutlich niedrigeren Ausrüstungsinvestitionen angeführt, die um fast elf Prozent sanken. Außerdem wurde bei den Bauten ein Rückgang um 4,5 Prozent verzeichnet und ein starker Abbau der Lagerhaltung. Der private und staatliche Konsum sowie die Investitionen in EDV-Software waren dagegen höher als Ende 2000. Für das Gesamtjahr bleibt unterm Strich ein Wachstum von 0,6 Prozent.

Nach Einschätzung der Volkswirte der BHF-Bank wird nunmehr für das erste Quartal des laufendes Jahres bestenfalls mit einer Stagnation gerechnet: "Erst im zweiten Halbjahr dürfte sich das Wachstum wieder normalisieren und stärker anziehen", sagte Gerd Haßel. Das Bundesfinanzminsterium hingegen rechnet unverändert mit einer unmittelbar bevorstehenden Wende. Auch das jüngste Stimmungsbarometer des Ifo-Instituts zeigte eine breite Basis für eine Erholung. Für 2002 erwartet die Bundesregierung ein Wachstum von 0,75 Prozent.

Auch das Baugewerbe gibt sich zuversichtlicher. Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Arndt Frauenrath, sagte am Mittwoch in Berlin, es bestehe die Hoffnung, dass nach Jahren des Abschwungs zumindest in Westdeutschland "in diesem Jahr die Talsohle erreicht werden könnte". Besonders die Wirtschaft werde vermutlich im Laufe des Jahres wieder mehr investieren.

Der ZDB geht für dieses Jahr von einem Rückgang der Bauinvestitionen um zwei Prozent aus. 2001 hatte der Rückgang noch 5,7 Prozent betragen. Frauenrath sagte, dass 2002 mindestens weitere 40 000 Arbeitskräfte entlassen werden müssten. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Beschäftigten in der Baubranche erstmals seit der Wiedervereinigung unter eine Million gesunken. Rund 950 000 Menschen arbeiteten 2001 in der Bauwirtschaft, 95 000 weniger als 2000. Der Umsatz der Bauunternehmen sei um 7,4 Prozent auf 91,4 Milliarden Euro gesunken.

Zum Start der neuen Tarifrunde sagte Frauenrath, er rechne mit "den schwierigsten Verhandlungen seit Jahren". Es gebe in diesem Jahr keinen Verteilungsspielraum für Lohnerhöhungen. Zum Streit um das so genannte Tariftreuegesetz sagte Frauenrath, er glaube nicht, dass ostdeutsche Betriebe durch eine Neuregelung existentiell bedroht seien. Das Gesetz sei aber ein wichtiges Instrument gegen die Konkurrenz aus Billiglohnländern. Im Übrigen sei frühestens 2003 in den neuen Ländern mit einem Aufschwung zu rechnen.

IWH-Präsident Rüdiger Pohl zeigte sich da optimistischer. Trotz schlechter Arbeitsmarkt-Daten stünden die Chancen gut, dass sich die Lage in den neuen Bundesländern nun allmählich verbessert, sagte Pohl am Mittwoch dem Tagesspiegel. Vieles spreche dafür, dass sich die ostdeutsche Wirtschaft nach der jüngsten Rezession stabilisiere. In der Konjunkturkrise seit Mitte 2001 habe sich vor allem die Industrie erstaunlich robust gezeigt und keinen so starken Einbruch erlitten wie die Betriebe des verarbeitenden Gewerbes in Westdeutschland. Deshalb rechnet Pohl nun wieder mit einem Beschäftigungsanstieg in der Industrie.

Auch die Talfahrt des Bausektors, der vor allem im Osten seit langem in der Krise steckt, gehe allmählich zu Ende. Derzeit stagniere die Bauleistung nur noch, statt wie zuletzt stets abzunehmen. In diesem Sektor würden aber trotzdem weitere Jobs verloren gehen, mindestens 200 000, fürchtet Pohl, der in den 90er Jahren Mitglied des Sachverständigenrats war. Als Risiko für die Erholung der ostdeutschen Wirtschaft wertete Pohl indes den Rückgang der Investitionen in den Städten und Gemeinden Ostdeutschlands. Die dortige Infrastruktur müsse dringend weiter ausgebaut werden.

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