Wirtschaft : Wirtschaft gibt sich nach Anschlägen gelassen

Selbst die Reisebranche erwartet keine Umsatzeinbußen / Unternehmen halten schärfere Sicherheitsmaßnahmen für unnötig

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Berlin Nach den Terroranschlägen in Ägypten sehen die meisten deutschen Unternehmen keinen Grund zur Besorgnis. Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen werden weder in der Reise- noch in der Logistikbranche ergriffen; auch die Betreiber von Kernkraftwerken bleiben gelassen. Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn befürchten die Unternehmen ebenfalls nicht – anders als bei den Anschlägen vom 11. September 2001. „Unsere Kunden wissen inzwischen, dass es absolute Sicherheit nicht mehr gibt“, sagte Willi Verhuven, Geschäftsführer beim Tourismuskonzern Alltours.

Ähnlich sieht man das beim Konkurrenten Tui. Kurzfristig werde das Interesse an der Sinai-Halbinsel zwar zurückgehen, sagte ein Sprecher. Auf längere Sicht werde dies aber wieder ausgeglichen, wie die Erfahrung aus früheren Fällen gezeigt habe. An der Börse gehörten Reisetitel am Montag zwar zu den größten Verlierern. Analysten rechneten jedoch mit einer zügigen Erholung. Auch Thomas Cook will seine Prognosen für das laufende Geschäftsjahr nicht revidieren.

Demonstrative Abgeklärtheit herrscht auch in den deutschen Freizeitparks. Zwar würden Eingänge verstärkt beobachtet, die Besucher sollen aber nicht routinemäßig durchsucht werden. „Auf eine Stimmung wie bei der Gepäckkontrolle am Flughafen können wir verzichten. Schließlich kommen die Menschen hierher, um Spaß zu haben“, sagte Ulrich Müller-Oltay, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Freizeitparks, dem Tagesspiegel.

Die Deutsche Bahn sieht derzeit ebenfalls keine akute Bedrohung. Konzernsprecher Werner Klingberg sagte, das flexible Sicherheitskonzept werde ständig an die aktuelle Lage angepasst – in enger Kooperation mit der Bundespolizei (dem ehemaligen Bundesgrenzschutz). Personenkontrollen wie an Flughäfen lehnte Klingberg ab. Bei 350000 Fahrgästen etwa am Frankfurter Bahnhof seien solche Kontrollen „nicht praktikabel und nicht bezahlbar“. Allerdings habe Bahnchef Hartmut Mehdorn zuletzt die Beschäftigten in einem Brief aufgefordert, besonders aufmerksam zu sein – „aber ohne in Hysterie zu verfallen“, sagte Klingberg. Im Logistikgeschäft hat die Bahn „keine besonderen Aktivitäten“ eingeleitet, sagte Peter Sauer, Sprecher der Konzerntochter Schenker. Man erfülle bereits besonders strenge Kriterien. Bei der Post-Tochter DHL hieß es ebenfalls, die eigenen Vorkehrungen seien strenger als die üblichen internationalen Standards.

Selbst bei Sicherheitsdiensten ist die Lage ruhig. Eine größere Nachfrage sei nicht festzustellen, sagte Martin Hildebrandt, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbands deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen. „Viele Leute erkundigen sich zwar; wenn sie aber den Preis hören, heißt es: In Deutschland ist ja noch nichts passiert.“

Auch der Hamburger Hafen plant keine zusätzlichen Maßnahmen. „Unsere bisherigen Sicherheitsvorkehrungen reichen aus“, sagte Bengt van Beuningen, Sprecher des Hafen-Marketing. Schon nach den Anschlägen vom 11. September 2001 seien zahlreiche Schritte eingeleitet worden. Seitdem sind alle Terminals eingezäunt, um Unbefugten den Zutritt zu erschweren. Außerdem werden alle Fahrzeuge im Hafen über Radar erfasst.

Der Versicherungskonzern Allianz macht sich wegen der Attacken in Ägypten keine großen Sorgen. „Bisher sind keine Schadensmeldungen eingegangen“, sagte eine Konzernsprecherin. Es werde sich aber auf keinen Fall um Schäden in größerem Ausmaß handeln. Auch die Münchener Rück sieht sich kaum betroffen. Allerdings rechnet die Branche damit, dass die Nachfrage nach Terror-Policen steigen könnte.

Auch die Betreiber von Kernkraftwerken lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. „Wir haben keine Hinweise, die irgendeine Angst begründen könnten“, sagte Ulrich Schröder vom Energiekonzern EnBW. Ähnlich äußerte sich eine Sprecherin von Eon Kernkraft: „Es gibt keine andere Sicherheitslage als bisher.“ Neue Vorsichtsmaßnahmen seien daher nicht nötig. awm, hej, hop, nic, pvs

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