Wirtschaft in Berlin und Brandenburg : Das Gefälle wird stärker

Berliner Firmen rechnen mit besseren Zeiten, dagegen überwiegt in Brandenburg die Skepsis.

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Berlin - So etwas wie ein Aufschwung ist im Landkreis Elbe-Elster, tief im Süden Brandenburgs, ziemlich weit weg. Ein neues Haus will dort kaum noch jemand bauen, die Arbeitslosigkeit liegt weit über dem Bundesschnitt, die Bevölkerung ist seit der Jahrtausendwende um mehr als ein Fünftel geschrumpft. „Idyllische Ortschaften“ und der „Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft“ sind die stärksten Trümpfe, mit denen der Landkreis im Internet für sich wirbt.

Der Unterschied zu Berlin könnte kaum größer sein: Hier gehen die Immobilienpreise durch die Decke, es gibt so viele neue Stellen wie in keinem anderen Bundesland, auch beim Wachstum will die lange Zeit stagnierende Hauptstadt 2013 im Republikvergleich ganz vorne stehen.

In den kommenden Jahren dürfte das Gefälle zwischen Stadt und Land noch größer werden. Darauf deutet auch eine neue Umfrage der vier Industrie- und Handelskammern der Region bei knapp 1500 Unternehmen hin. Die Firmen aus Berlin marschieren mit großem Optimismus vorneweg – sie wollen in den nächsten Monaten mehr investieren, mehr neues Personal einstellen, mehr Produkte im Ausland verkaufen. Die Konkurrenz aus Brandenburg dagegen zaudert. „Wir kommen in eine sehr schwierige Situation“, warnte Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, bei der Vorstellung der Studie am Montag in Berlin. Man müsse aufpassen, „dass sich die ländlichen Regionen nicht weiter entvölkern und nur noch Zuwachs im Speckgürtel erfolgt“.

Im Durchschnitt ist die Lage der Region stabil – zwar hat sich das Wirtschaftsklima insgesamt angesichts der internationalen Krise leicht eingetrübt. Doch 83 Prozent der Unternehmen berichten von guten oder zufriedenstellenden Geschäftsaussichten. Dahinter verbergen sich große Unterschiede: Während in Berlin 32 Prozent der Chefs mit einer günstigeren Entwicklung rechnen, sind es in Brandenburg mit 16 Prozent nur halb so viele.

Eine Ursache für die Entwicklung Berlins ist die wachsende internationale Beliebtheit: Tourismus, Handel und andere Dienstleistungen sind in der Hauptstadt weiterhin im Kommen. Das Umland profitiert davon kaum – daher überwiegt auch in diesem Sektor die Zahl der Pessimisten. Ebenso ist es beim Immobilienmarkt und auf dem Bau. Nur bei der oft exportlastigen Industrie ist die Stimmung in beiden Bundesländern ähnlich skeptisch und damit schlechter als zu Beginn des Jahres 2012. Allerdings erhoffen sich die Berliner Besserung im Verlauf dieses Jahres – vor allem ab dem Sommer rechnen sie mit einer anziehenden Konjunktur aus der Euro-Zone und Osteuropa und mithin mit wachsender Nachfrage. Berlin wird damit vermutlich den Anschluss an die bundesweite Entwicklung halten. Die Bundesregierung rechnet für das gesamte Land mit einer stärkeren Dynamik. „Die Perspektiven für die Wirtschaft hellen sich allmählich auf. Die Frühindikatoren deuten auf ein absehbares Ende der aktuellen Schwächephase hin“, schreiben die Fachleute von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) in ihrem jüngsten Monatsbericht.

Gute Stimmung allein hilft aber nicht – voran geht es nur, wenn die Unternehmen expandieren. 29 Prozent der befragten Berliner Betriebe wollen mehr für neue Maschinen und Anlagen ausgeben. In Brandenburg dagegen sind es nur 16 Prozent – während 22 Prozent sogar planen, weniger zu investieren. Noch deutlicher werden die Unterschiede bei der Personalentwicklung: Fast jede dritte Berliner Firma will zusätzliche Mitarbeiter einstellen, aber nur gut jede zehnte in den Landkreisen um die Hauptstadt herum.

„Viele Gründe sprechen für Berlin“, sagte Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin. Neben dem Tourismus punkte die Stadt mit wertvoller Wissenschaft und Forschung. Zudem sei sie attraktiv für Existenzgründer und ziehe Kapital an. Eder sieht sogar noch Luft nach oben. „Mit einem funktionierenden Flughafen hätten wir noch bessere Zahlen haben können.“ Carsten Brönstrup

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