• Wirtschaft in Berlin und Brandenburg warnt: Firmen fürchten Rentner-Welle: 60000 Fachkräfte könnten fehlen

Wirtschaft in Berlin und Brandenburg warnt : Firmen fürchten Rentner-Welle: 60000 Fachkräfte könnten fehlen

Die Rente mit 63 kommt. Die Unternehmen sehen das mit Sorge - viele suchen schon jetzt vergeblich nach Experten

Carsten Brönstrup
Ein junger Mensch im Blaumann steht an einer Werkbank, ein Älterer schaut ihm bei der Arbeit zu.
Alt und Jung. Die Zahl älterer Beschäftigter in den Betrieben könnte schon bald abnehmen.Foto: Imago

Die Arbeitgeber in Berlin und Brandenburg warnen vor einem Fachkräftemangel im großen Stil, sollte die Bundesregierung zentrale Vorhaben wie die Rente mit 63 und den Mindestlohn wie geplant umsetzen. Bis zu 60000 Beschäftigte zwischen 60 und 64 Jahren könnten das Erwerbsleben aufgeben, wenn sie demnächst wie von Union und SPD geplant vorzeitig in den Ruhestand gehen können. „Dann fehlen unseren Firmen die Arbeitskräfte“, sagte Christian Amsinck, Geschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), am Dienstag in Berlin.
In der Hauptstadtregion sind rund 120000 Menschen zwischen 60 und 64 Jahren noch berufstätig. Im Bundesschnitt erfüllt schätzungsweise nur ein Viertel dieser Altersgruppe die Bedingungen für die Rente mit 63 Jahren, kommt also auf 45 Beitragsjahre für die Sozialversicherung. In Berlin und Brandenburg könne es aber die Hälfte sein, sagte Amsinck. Der Grund: Vor allem Beschäftigte mit DDR-Hintergrund seien schon früh ins Berufsleben eingestiegen und hätten entsprechend lange gearbeitet. Für Unternehmen in Regionen, in denen jetzt schon Fachkräftemangel herrsche, sei es eine „kaum lösbare Herausforderung“, die frei werdenden Stellen wieder zu besetzen, klagte der Arbeitgeber-Verband.


Zur Begründung verweisen die Unternehmen auf die schlechte Qualifikation der Arbeitslosen. Gut 44 Prozent der Jobsuchenden in Berlin hatten im vergangenen Jahr nur eine schlechte oder gar keine Ausbildung vorzuweisen, sagte Amsinck. Mehr als jeder zweite Jugendliche hatte keinen oder nur einen Hauptschulabschluss. Mit dem Mindestlohn, der ab 2015 gelten soll, verschlechterten sich die Chancen dieser Problemgruppen auf dem Arbeitsmarkt – dann steige der Anreiz, sich statt einer Ausbildung einen Hilfsjob zu suchen, der mehr Geld einbringe. Amsinck forderte daneben, Jugendliche so früh wie möglich an das Thema Berufswahl heranzuführen und die Beratung zu verbessern. Auch müssten Berlin und Brandenburg einen gemeinsamen Ausbildungsmarkt schaffen.
Grundsätzlich sind mittelständische Firmen in Berlin aber mit den Rahmenbedingungen zufrieden. In einer Befragung durch die Beratungsfirma EY gaben 86 Prozent an, zufrieden oder rundum zufrieden zu sein. Besonders gute Noten gaben sie der Förder- sowie der Infrastrukturpolitik des Senats.


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