Wirtschaft : Wirtschaft in Berlin und Hamburg will den Transrapid

HERMANN RUDOLPH

BERLIN .Was verbindet Berlin und Hamburg? Vor allem soll es der Transrapid sein.So wollen es die Spitzen von Politik und Wirtschaft, nämlich der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen und Ortwin Runde, Erster Bürgermeister von Hamburg, sowie die Präsidenten der Berliner IHK und der Handelskammer Hamburg, Werner Gegenbauer und Nikolaus W.Schües.Beide Seiten haben diese Absicht am Montag in eine gemeinsame Resolution gegossen.Sie begrüßt die "klare Haltung" von Bundesverkehrsminister Franz Müntefering zum Transrapid ausdrücklich, spricht sich für einen "termingerechten Baubeginn" aus und mahnt die "zügige Umsetzung" dieses Projekts auf der vorgesehenen Trasse an.

Die Entschließung war sozusagen das Präsent an ein "Stadtgespräch", zu dem Gegenbauer und Diepgen in Begleitung von gut zwei Dutzend Berliner Vertretern von Wirtschaft und Politik Hamburger Unternehmer und Politiker in die dortige Handelskammer eingeladen hatten.Es zeigte sich, das die beiden Städte noch mehr verbindet: der Wunsch, daß beide zu Trägern einer norddeutschen Wirtschaftsregion werden, die den west- und süddeutschen Ballungsgebieten ein Gegengewicht setzt.Der Hamburger Handelskammer-Präsident sprach von einem norddeutschen Wirtschaftsraum - und versicherte, daß dabei der rot-grün gefärbte Senat und die vermutlich anders kolorierte Handelskammer an einem Strang zögen.IHK-Präsident Gegenbauer sprach sogar von einer gemeinsamen Identität als Region.Diepgen setzte darauf, daß Berlin und Hamburg zwischen Elbe und Oder zu einem "zweiten Schwerpunkt" würden, und verlängerte diese Zone bis nach Dresden und nach Polen.Sehr praktisch ist der Gedanke allerdings noch nicht.Hamburg verweist darauf, daß die Handelskammer seit 1992 einen, so Schües, "Vorposten" in Berlin hat.

Gegenbauer bemühte sich, Hamburg für die Unterstützung des Berlin-Brandenburger Flughafens zu gewinnen, und schien damit auf offene Türen zu stoßen.Jedenfalls bekam Diepgen Beifall des Hamburger Publikums, als er unterstellte, daß es nicht im Interesse der Hamburger sein könne, "immer über Frankfurt" zu reisen.Weitere Anregungen: gemeinsames Engagement bei der Vermarktung der Expo 2000, ein Medienkongreß, der in Hamburg und Berlin tagt.Aber es gibt auch bereits funktionierende Beispiele: Schering-Chef Giuseppe Vita, der den Standort Berlin pries, lobte sein Engagement beim Pharma-Hersteller Asche-Hamburg über den grünen Klee.

Der Hinweis auf die geplante Trasse reflektierte natürlich die Lage, die durch die Absage der neuen mecklenburg-vorpommerischen Landesregierung an das Projekt entstanden ist.Nur diese Planung sichere den "technischen und zeitlichen Vorsprung gegenüber dem japanischen Konkurrenzsystem" - nicht, so der unausgesprochene Kontext, eine womöglich notwendige neue Planung.Ein Mecklenburger, der gefragt hatte, weshalb nicht von der Trassenführung über Schwerin gesprochen worden sei, wurde von Diepgen ungewöhnlich heftig abgefertigt: Falls die Regierung sich quer lege, werde sie die Folgen zu tragen habe.

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