Wirtschaft : Wirtschaft in Europa: Weiter auf Wachstumskurs

Die Wirtschaft in Europa wird sich nach Einschätzung des Hamburger HWWA-Instituts in diesem Jahr zwar etwas abschwächen, bleibt aber weiter auf Wachstumskurs. Am Konjunkturhimmel seien zu Jahresanfang zwar "einige Wölkchen" aufgezogen, sagte HWWA-Chef Thomas Straubhaar am Dienstag. Doch bleibe der konjunkturelle Aufschwung in Europa solide und werde sich auch 2002 fortsetzen. Für Deutschland bekräftigte das HWWA seine zuletzt im Dezember gemachte Prognose, wonach das Wachstum 2001 auf 2,7 Prozent und 2002 auf 2,5 Prozent etwas nachlassen dürfte. Daran werde eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums in den USA voraussichtlich nur graduell etwas ändern. Damit zeigt sich das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) etwas optimistischer als andere Wirtschaftsforschungsinstitute, die ihre Prognosen wegen der restriktiven Geldpolitik der EZB und der konjunkturellen Abkühlung in den USA zum Teil reduzierten.

Forderungen nach einer Zinssenkung der EZB trat HWWA-Chef Straubhaar entgegen und verteidigte die Notenbank zugleich gegen Kritik. Zu "hektischem Aktionismus" in der Geldpolitik gebe es keinen Grund. Eine Zinssenkung zum jetzigen Zeitpunkt wäre der falsche Weg. Auch zeigte sich Straubhaar weniger besorgt über die wirtschaftliche Abschwächung in den USA als andere Konjunkturforscher. Von einer bevorstehenden Rezession in den USA könne nicht die Rede sein. Zwar werde eine deutliche Abschwächung des Wirtschaftswachstums erwartet. Doch sei keinesfalls eine Rezession zu befürchten. Selbst ein stärkerer Einbruch in den USA werde das Wachstum in Deutschland nur geringfügig dämpfen.

Nach Auffassung der Deutschen Bank wird die sich abschwächende Weltkonjunktur auch in Euroland schon bald zu drastischen Zinssenkungen führen. Die Investmentexperten des größten deutschen Geldhauses erwarten von der Europäischen Zentralbank (EZB) bereits bis zum Sommer eine Senkung des Leitzinses von 4,75 auf nur noch 4,0 Prozent. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die EZB eine Verschlechterung der geldpolitischen Bedingungen hinnehmen will", sagte Europa-Spezialist Ulrich Beckmann am Dienstag.

Die Experten der Deutschen Bank sehen nach der akuten Konjunkturschwäche schon Ende 2001 wieder einen Aufschwung in den USA. Das Bruttoinlandsprodukt der wichtigsten Volkswirtschaft werde im ersten Halbjahr lediglich um eins bis 1,5 Prozent zulegen. Danach seien aber wieder Wachstumsraten von rund drei Prozent zu erwarten, prognostizierte US-Chefökonom der Deutschen Bank, Peter Hooper. In den europäischen Ländern laufe die Wirtschaft ohnehin besser, wodurch Europa die Rolle der internationalen Konjunkturlokomotive vorerst übernehme.

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